Farin Urlaub Konzert am 30.11.2008 in Frankfurt
KONZERTBERICHT

Farin Urlaub Konzert am 30.11.2008 in Frankfurt

Farin Urlaub

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Höchst bei Frankfurt ist vor allem durch seinen gleichnamigen Chemie-Riesen und die örtliche „Jahrhunderthalle“ berühmt. Wenn ich an die Schlagzeilen zu Beginn der 90er Jahre zurückdenke, für die Höchst verantwortlich war, so erscheint es mir heute fast wie ein Wunder, dass diese Halle das letzte Jahrhundert so unbeschadet überstand. Vielleicht daher der Name.

Das wiederum war den am vergangenen Sonntag anwesenden Gästen relativ egal, denn sie wollten ausschließlich mit ihrem Idol Farin Urlaub und seinem Racing Team feiern. Und so fanden sich bereits gegen Mittag Hunderte von zumeist jugendlichen Konzertbesuchern vor den Toren der Jahrhunderthalle ein. Auch ich traf bei den herrschenden Außentemperaturen entschieden zu früh in Höchst ein. Die neunzigminütige Wartezeit versüßte ich mir durch eine Banane, ein Bier und einen Schoko-Riegel. In der Reihenfolge. Beim Anblick der beiden DIXI-Häuschen beschloss ich aber, mir keinen Kaffee mehr an der benachbarten Tankstelle zu kaufen.

Gegen 18:40 hatten die Security-Leute ein Einsehen und ließen, mäßig aber regelmäßig, die frierenden Fan-Scharen in die Halle. Dort konnte sich die Meute wie in einem großen Kino-Palast mit überteuerten Getränken und Speisen eindecken. Nur gab es keinen Film, sondern ein Konzert und das begann erst 80 Minuten später. So folgte auch ich dem Ruf des Raubtierkapitalismus, kaufte mir einen non-fair-trade Kaffee und wärmte meine erschöpften Glieder. Nach einigen Minuten folgte ich dem Pulk, der sich langsam in Richtung Halleneingang in Bewegung setzte. Unterwegs „verloren“ nicht wenige Mitläufer ihr teures Geld am strategisch günstig aufgebauten Merchandising-Stand, der zu meinem Entsetzen kein Vinyl hatte. Der Schock verflog jedoch schnell, denn ich konnte mir in der Halle einen guten Stehplatz in der Nähe der Tontechniker ergattern und lauschte andächtig den Witzen meiner Nachbarn. Die meisten davon waren dermaßen schlecht, dass ich es mir fast überlegte, meinen Platz aufzugeben. Dazu kam es dann glücklicherweise doch nicht, weil Herr Urlaub über ein gutes Zeitmanagement verfügt und deswegen bereits kurz nach 20 Uhr die ersten Klänge des neuen Songs „Nichimgriff“ ertönten. Die Masse war aus dem Häuschen und bereits nach diesem Lied erschienen die ersten Konzertgäste, die sich beim Pogo tanzen möglicherweise ein wenig überschätzt hatten, bei den Jungs und Mädels vom Roten Kreuz. Einige Schwächeanfälle in der ausverkauften und dementsprechend stickigen Jahrhunderthalle bekam ich ebenso mit. Aber im Vergleich zu einem Konzert von Tokio Hotel war das für die Rettungshelfer heute eher ein Konzert der ruhigeren Sorte, auch wenn so manches Mädchen, das seinen BH auf die Bühne geworfen hatte, mit Wärmedecken versorgt werden musste. Allerdings erst nach dem Konzert, denn währenddessen sorgte Farin Urlaub mit seinem Racing Team für ein spektakuläres Live-Erlebnis, bei dem die besten Songs der vier Alben dem Publikum ohne viel Gerede (s.Ärzte) dargeboten wurden. Und in welcher Perfektion! Meine musikalischen Höhepunkte waren an diesem Abend die Lieder „Sonne“, „Lieber Staat“ und vor allem „Zehn“. Gerade beim zuletzt genannten Song merkte man, wie viel Spaß das Publikum an diesem Abend hatte und wie bereitwillig sie mit den Künstlern dieses Konzert zu einem ganz besonderen machten. Oder wo sonst setzen sich Tausende von Menschen ohne Willkür und Zwang geschlossen auf den Boden, um just im nächsten Augenblick so intensiv zu hüpfen, dass so manchem Statiker oder Bauingenieur schlecht werden müsste?! Eben.

Übrigens wussten auch die Lieder des neuen Albums „Die Wahrheit übers Lügen“ zu gefallen. Die Fans kannten jede Zeile und auch ich stimmte hin und wieder in den Gesang ein, was ich sonst u.a. aufgrund meiner eher bescheidenen Sänger-Qualitäten ganz selten mache.

Aber an diesem Abend war das in Ordnung und, wie gesagt, es machte einen Riesenspaß!
Diese gute Laune nahm ich mit, als ich gegen 22:10 Uhr, kurz vor Ende des Konzerts, die Halle verließ. Ich ahnte schon, dass mein Heimweg lang, länger als der Hinweg, werden würde. Und so kam es dann auch, wohl auch deshalb, weil ich gedanklich immer noch bei den hübschen Frauen des Racing Teams war. Und natürlich auch bei Farin Urlaub. Ganz klar.

Farin Urlaub


Fotos: Farin Urlaub Pressestelle/Presse-Archiv, Bericht: Sven Dehoust om. 02.12.2008

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