| 












|
Ja, so war es, das
Highfield-Festival
2008, relaxte und traumhafte Atmosphäre, direkt am STAUSEE
HOHENFELDEN, rundherum nur Wiesen, Felder und Wald. Ganz so
relaxt ging es dieses Jahr dann doch nicht zu beim größten
Indie-Rockfestival im Osten der Republik. Geschuldet jedoch allein
der Tatsache, dass just eben dieses einst relativ beschauliche Festival,
welches schon im ersten Jahr seines Bestehens mit ca. 10000 Besuchern
aufwarten konnte von Jahr zu Jahr stetig gewachsen ist. Pünktlich
zum Zehnjährigen Jubiläum konnte man dann dieses Jahr
zu einem mit ca. 25000-30000 Besuchern ausverkauften Konzertevent
gratulieren. Verwunderlich ist das ganze natürlich nicht, bestechen
sowohl Location als auch Lineup jedes Jahr aufs Neue und trösten
so manchen Besucher über die Ticketpreise hinweg. Bands und
Künstler wie beispielsweise Foofighters,
Placebo,
Muse,
Queens of the Stoneage,
Weezer, Massive
Attack, Faithless,
Social
Distortion, Beck
oder Korn geben
sich hier die Festivalklinke in die Hand. Und auch dieses Mal waren
wieder so einige wohlbekannte Namen auf der Liste. So stellt man
sich ein Festival vor, mal abgesehen von durch die Anreise vieler
tausend festivalfreudiger Menschen bedingte Verkehrsstauungen. Dem
jährlich wachsenden Besucherstrom konnte man zumindest auf
dem Festivalgelände gerecht werden, indem man es eben wie ein
gutes Kleidungsstück einfach mitwachsen ließ.
Ebenso lobend darf hier erwähnt werden, dass
auch dem nach Neuentdeckungen dürstenden Musikliebhaber nicht
erst seit diesem Jahr durchaus Rechnung getragen wurde. Auf einer
alternativen Bühne, im „Coca Cola Soundwave Tent“
wurde sowohl jungen und neuen Bands, als auch hierzulande noch nicht
ganz so bekannten internationalen Acts die Gelegenheit geboten vor
einem zahlenmäßig nicht unbedingt kleinen Publikum, das
zu tun, was Musikern auf einer Bühne eben so alles einfällt.
Wie bereits erwähnt, konnte dem ein oder anderen
Festivalbesucher auf Grund der anreisenden Massen und dem damit
zusammenhängenden Verkehrsaufkommen die Anfahrtszeit schon
mal etwas lang werden. Diesem Umstand geschuldet, betrat ich das
Gelände zu den letzten Klängen des letzten Songs der Band
„Plain
White Ts“, nicht wenig geschockt auf Grund des Anblickes
so vieler Menschen.
Trotz meiner Vorahnung als Besucher von mindestens 6 der vorangegangenen
Ausgaben des Highfield-Festivals.
Nachdem ich also Daniel
Wirtz, The
Subways, Tocotronic
ebenso wie Plain
White Ts auf der Hauptbühne und einige Newcomerbands, deren
Namen ich hier leider nicht erwähnen kann sowie Red
Light Company und Yeasayer
im Zelt verpasst hatte. Sah ich nun der Stagecrew beim Umbau der
Bühne für die Sportfreunde
Stiller zu, bis sie endlich die Bühne betraten. Wieder
einmal muss ich als Nicht-Fan dieser Band sagen, dass man sich doch
von ihrer guten Laune und ihren schnörkellosen Gitarrenpopsongs
immer wieder anstecken lassen kann. Spätestens bei „Isch
Rocke“ war bei den meisten um mich herum alles zu spät
und die Party perfekt. Und auch das in überwiegend grün
gehaltene Bühnendekor soll hier nicht unerwähnt bleiben,
bekommt man ebensolches schließlich nicht alle Tage zusehen.
Danach galt es für mich eine schwere Entscheidung
zu treffen. Schließlich hatte ich die Wahl mir als Coheadliner
auf der Mainstage eine Band anzusehen, zu deren Konzerten ich es
noch nie in meinem Leben aufzutauchen geschafft hatte, ich keine
Platte von ihnen besitze und dennoch sie schon immer mal sehen wollte,
die Band heißt übrigens Bloc
Party. Die Alternative im Zelt war eine Band, von der ich eine
Platte besitze und ich es aber leider auch hier bisher nicht geschafft
hatte eines ihrer Konzerte zu besuchen, nämlich Kaizers
Orchestra. Klar wen ich gewählt habe. Ich begab mich also
in Zelt, wo bereits die Umbauarbeiten für den Auftritt von
Kaizers Orchestra
liefen und ich war gut beraten dies frühzeitig getan zu haben,
denn unmittelbar nach mir und meinen Begleitern wurde vorerst niemand
mehr hineingelassen. Da ich vorher leider keines ihrer Konzerte
gesehen habe und auch nicht willens war mir vorher über Youtube
oder andere Portale Livevideos anzusehen, wusste ich also wieder
einmal nicht was mich erwartet und ich war doch überrascht,
dass es sich um eine beinahe schon traditionelle Rockbandbesetzung
handelte, die da vor mir auf der Bühne stand. Klar war das
irgendwie zu erwarten, andererseits hatte ich ja aufgrund der Hörerfahrungen
mit den Platten dieser Band doch zunächst ein anderes Bild.
Da waren Trompeten, Posaunen, Harmonika und andere Instrumente,
die zunächst zu fehlen schienen. Einige dieser Dinge waren
dann, wenn auch als Samples doch zu hören und auch wenn ich
zunächst für einen kurzen Moment irritiert gewesen bin,
was die Besetzung der Band betraf, so waren diese Herren doch in
der Lage mit einer Hochqualitativen musikalischen Performance und
perfekt getimter Show mein komplettes Bild von ihnen, dass ich im
Vorfeld aufgebaut hatte zu zerstören und mich dabei trotz Sprachbarriere
vollends glücklich mit offenem Mund vor der Bühne stehen
zu lassen. Spätestens nachdem die Sechs aus Norwegen jeden
im Zelt, der zum ersten Mal bei einem Kaizers
Orchestra – Konzert anwesend war als neues Mitglied der
Kaizer-Familie begrüßten, war es dann wohl auch um den
Rest geschehen und es war mir gleich was ich vorher erwartet hatte.
Vielen Dank dafür.
Danach gab es die Dresden
Dolls im Zelt und The
Killers auf der Hauptbühne zu bewundern, keine leichte
Wahl, dachte ich. Aber andererseits ich war ich auch so bereits
überglücklich und so schaute ich überall mal kurz
rein fand beides wirklich gut und ging.
Lineup Freitag, 15.08.08
Main Stage
16.30 - 16.50 Daniel
Wirtz
17.20 - 18.00 The
Subways
18.30 - 19.15 Tocotronic
19.45 - 20.30 Plain
White Ts
21.00 - 22.00 Sportfreunde
Stiller
22.30 - 23.30 Bloc
Party
00.01 - 01.30 The
Killers
Coca Cola Soundwave Tent
16:00 - 17:30 Coca
Cola Soundwave Discovery
18:00 - 18:45 Red
Light Company
19:15 - 20:00 Yeasayer
20:30 - 21:30 We
Are Scientists
22:00 - 23:00 Kaizers
Orchestra
23:30 - 00:30 Dresden
Dolls
Der nächste Tag
Ich feierte meinen Einstand mit Gogol
Bordello. Wenn gleich ich nicht wirklich wusste und immer noch
nicht so richtig weiß, was ich von dieser wirklich chaotisch
anmutenden Bühnenshow bis hin zu den doch recht eigenwilligen
Kostümen halten soll, bitte verzeiht aber ich weiß es
einfach nicht, lustig war das schon, was da so als Zigeuner-Punk
angekündigt war.
Freilich mit dem waschechten Punk hatte es dann doch nicht soviel
gemein, aber der Meute gefiel es und Gogol
Bordello offensichtlich auch. Ein Sänger, der vom Outfit
her gut in eine Mexikanische Wrestlerfamilie gepasst hätte,
Musiker mit eigenartigen Wollmützen, die mich irgendwie an
Nepal oder an das Hochland der Anden erinnerten, ein paar spärlich
bekleidete Tänzerinnen, die auch ab und zu auf unhörbaren
Instrumenten herum droschen und alle tanzten wild und sprangen vergnügt
auf der Bühne herum. Aber fragt mich jetzt bitte nicht nach
einzelnen Songs…
Nach kurzem Umbau und Soundcheck fanden sich The
(international) Noise
Conspiracy auf der Bühne ein. Und was soll ich sagen, irgendwie
muss das der Tag der komischen Kostüme gewesen sein oder die
nunmehr zweite Band des Tages hatte zuvor beim
Kölner Karneval zu lang gefeiert und letztendlich ist sie
dann leicht verkatert auf dem Highfield-Festivals
gelandet. Das war nicht die The (international) Noise
Conspiracy, wie ich sie kannte, und die hab ich nun wirklich
mehr als einmal Live gesehen. The
Dukes oder The
Lords wären bessere Namen gewesen für ihre Mod-Reinkarnation.
Auch der Sound konnte irgendwie nicht überzeugen und so traten
meine Begleiter und ich enttäuscht den Rückzug an, um
auf einen Mann zu warten. Bis dahin war jedoch noch etwas Zeit und
so vertrieb ich mir diese mit einer kleinen Stärkung in fester
und flüssiger Form und lauschte aus der Ferne den Irish Punkrock-Klängen
von Floggin
Molly.
Und dann war es soweit. Sicher wird jetzt der ein
oder andere denken, dass ist wahrlich nicht gerade etwas worauf
man sich bei einem Festival freut oder was man dort erwartet, niemand
will dort einem anderen dabei zusehen, wenn er gerade eine Rede
hält, noch dazu, wenn er diese Rede nicht in der Muttersprache
der meisten Anwesenden hält, sondern in einer ganz anderen.
Aber doch, genau das wollten außer mir eine nicht geringe
Hand voll im Zelt Anwesender. Sie wollten eine Rede hören,
und zwar von niemand geringerem als Henry
Rollins, welcher das Festival, liebevoll auch Highfield genannt,
mit seiner weit gereisten Erscheinung beehrte. Kurzweilig, amüsant
und dennoch ernst und kritisch, so könnte man es zusammenfassen
und immer wieder beeindruckend, Henry
Rollins „Spoken word“.
Mit Kettcar
teilte ich mir dann eine erneute Stärkung oder besser ich aß
während sie spielten. Eine beachtlich gute deutsche Band mit
wirklich schönen Songs und geistreichen Texten, selbst aus
der Ferne.
Als The
Hives die Bühne betraten wusste ich endlich wieder, wen
The (international) Noise
Conspiracy da anscheinend zu imitieren versuchten. Sehr schade,
hatte ich doch auch mit ihnen schon so schöne Konzerte dank
eigenständigerer Musik und Show erlebt. Nun da The
Hives auf der Bühne standen gab es für die immer noch
mehr werdenden Massen kein Halten mehr. „I believe I told
you so … ooo“ kreischte Howling Pelle Almquist in sein
Mikrophon und tausende taten es ihm gleich. Spätestens jetzt
sahen sich vermutlich nicht wenige im Publikum an Momente erinnert,
in denen mit „Your New Favorite Band“ oder „Veni
Vidi Vicious“ im Cd-Radio und voller Lautstärke auf der
Autobahn bei Tempo 200 komplett ausrastet und dem Beifahrer gegen
die Schulter springt. Eines durfte natürlich, wie mittlerweile
bei einem Hives-Konzert nicht mehr fehlen, der Moment wenn die komplette
Band für eine gefühlte Ewigkeit zu Salzsäulen erstarrt
als stünde die Zeit still um dann auf Kommando den gerade gespielten
Song fortzusetzen.
Eine Situation, die in den Gesichtern der Zuschauer und -hörer
immer wieder den Ausdruck von zunächst Ratlosigkeit und Irritation
und dann von Freude und Erlösung hinterlässt, ein schöner
Anblick. Ich muss leider zu meiner Schande gestehen, dass ich danach
nicht mehr im Entferntesten gewillt war mir das Nachfolgende Gastspiel
der Ärzte
anzusehen. Und so verließ ich das Festivalgelände erneut
um mich gen Heimat (das Zelten auf Festivals zähle ich nicht
zu meinen Hobbies) zu begeben.
Lineup Samstag, 16.08.08
Main Stage
11:20 - 11:40 HiFiHandgrenades
12:00 - 12:30 Kaiserkind
(BecksGewinnerband)
13:00 - 13:40 Dioramic
14:10 - 14:55 Fire
in the Attic
15:25 - 16:10 State
Radio
16:40 - 17:25 Gogol Bordello
17:55 - 18:45 Noise
Conspiracy
19:15 - 20:15 Floggin
Molly
20:45 - 21:45 Kettcar
22:15 - 23:30 The
Hives
00:01 - 02:00 Ärzte
Coca Cola Soundwave Tent
13:00 - 19:30 Coca
Cola Soundwave Discovery
20:15 - 21:15 Henry Rollins
21:45 - 22:45 Louis
XIV
23:30 - 00:30 I
Am Kloot
Tag drei
Der Festival Sonntag begann für mich fast
pünktlich um 15.00 Uhr. Ich muss zu meiner Schande gestehen,
ich gehöre nicht zum Typ „wenn ich auf ein Festival gehe,
dann muss ich dort unbedingt zelten“ und somit ergibt sich
meist zwangsläufig der Umstand des Pendelns. Wie bereits erwähnt
kurz vor 15.00 Uhr betrat ich das Gelände, um meine ungeteilte
Aufmerksamkeit einer Band zu widmen, Thrice.
Bisher kannte ich sie nur von einem Visions-Sampler und den zwei
frisch erschienen EPs ihrer vier EPs umfassenden Konzeptarbeit zum
Thema der vier Elemente Feuer, Wasser, Erde, und Luft. Natürlich
spürt man ihre Hardcore- und Emovergangenheit in ihren Songs.
Wenngleich so einige elektronische Elemente und auch der Pop Einzug
gehalten haben im Hause Thrice,
wie man anständig rockt haben die Jungs definitiv nicht verlernt.
Nach Thrice
galt es nun eine kurze Stärkung zu mir zu nehmen und dann ab
ins Zelt. Es braucht wohl nicht erwähnt zu werden, dass man
etwas verpasst, wenn man sich eine Show der Gutter
Twins entgehen lässt. Nicht dass diese so wäre und
jeder auf der Bühne sich so verausgabt, als wäre ein gehörntes
Wesen aus der Unterwelt hinter ihm her, nein das nun wirklich nicht.
Das geschehen auf der Bühne ist eigentlich eher unspektakulär,
jedoch gibt es drei Dinge, die einen Gutter
Twins Gig definitiv besuchenswert machen. Die Stimmen der beide
Sänger, unter anderem Mark Lannegan, dessen Erscheinung, wie
ein Stanbild im TV sowie Songs, die einfach nur eingängig,
skuril und schön zugleich sind.
Wiederum Danke vielmals.
Was sich uns dann bot war leider traurig. Während
draußen die Menge wohlverdient zu Madsen
ausflippte, spielte im Zelt mit Year
Long Disaster ein Trio, das definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient
hätte und die leider gegen die Beliebtheit der zeitgleich spielenden
Madsen
verlor. Und so kam es, dass wir zu Beginn ihres Gigs lediglich mit
einer Hand voll weiterer Zuschauer vor der Bühne verweilten
und uns schnörkellosen
Rock’n’Roll kredenzen ließen. Stimmlich erinnerte
das ganze an Wolfmother
bis hin zu Mars
Volta, der Rest eher an Hellacopters
und andere Rock’n’Roll Ikonen. Bis zum Ende des Sets
schafften sie es Dank ihrer musikalischen Qualität dann doch
noch einige (etwa 100-150) Neugierige anzuziehen und diese zum kollektiven
Ausrasten zu bringen. Year
Long Disaster, eine Band, die es schafft auf Grund ihrer Energie
Menschen mit offenen Mündern stehen zu lassen.
Blood
Red Shoes hatten es da schon leichter, da doch schon bekannter,
füllte sich das Zelt unmittelbar vor ihrem Set, während
man den beiden Akteuren beim Soundcheck zusehen konnte. Das Duo
mit ihrer Mischung aus Elektronischer Musik und Rock’n’Roll
alá White
Stripes brachte sein Publikum von Anfang an zum kochen und ließ
niemanden so wirklich los.
Warum Serj
Tankian nicht einfach mit System
of a Down weiter seine Runden dreht, anstatt ein Soloprojekt
zu starten, dass im Grunde genommen keine anderen neuen Facetten
seines Schaffens zeigt, wissen wahrscheinlich nur er selbst und
System of
a Down. Natürlich System
of a Down Fans kommen hier voll auf ihre Kosten, wenn gleich
diese hier und da doch noch etwas abgedrehtere Songstrukturen blicken
ließen. Auf mich wirkte das Set jedoch leider relativ flach.
Danach war es Zeit für eine Stärkung
und für die Dropkick
Murphys, die ich mir jedoch lieber aus der Ferne ansah um in
Ruhe meine Malzeit zu mir zu nehmen. Slut
spielten im Zelt und hier war es leider eh zu voll um noch rein
zu kommen, also kurz ausruhen. Was jedoch dann geschah, kann man
nur wie folgt beschreiben. Beatsteaks
– Stop – aus Berlin – Stop – Headliner des
Abends – Stop – Tausende im Rock’n’Roll
Himmel – Stop – 25000 auf den Boden – Stop –
25000 T-Shirts aus – Stop – 25000 auf ein Zeichen in
die Luft springen und T-Shirts werfen oder schleudern – Stop.
Spätestens jetzt war allen klar, wer die unangefochtenen Könige
des diesjährigen Highfield-Festival-Sonntags waren. Was war
das für ein Anblick.
Lineup Sonntag, 17.08.08
Main Stage
12:00 - 12:25 Jennifer
Rostock
12:50 - 13:25 The
Bones
13:50 - 14:30 MXPX
15:00 - 15:45 Thrice
16:15 - 17:05 Less
than Jake
17:35 - 18:30 Madsen
19:00 - 20:00 Serj
Tankian.
20:30 - 21:45 Dropkick
Murphys
22:15 - 23:30 Beatsteaks
Coca Cola Soundwave Tent
13:00 - 16:00 Coca
Cola Soundwave Discovery
16:20 - 17:00 Gutter Twin
17:25 - 18:05 Year
Long Disaster
18:30 - 19:15 Blood
Red Shoes
20:00 - 21:00 Slut
21:45 - 22:45 Mindless
Self Indulgence |