Sven im Interview mit Nico von Dr. Woggle
INTERVIEW - mit Dr. Woggle

Rock´n´Roll! Weiter! Vorwärts!
So kann man in etwa die Philosophie der Weinheimer Rocksteady-Band Dr. Woggle & the Radio beschreiben. Doch lest selbst, was der Frontmann der Weinheimer „Rampensäue“, Dr. Woggle (Nico), u.a. zum neuen Album „Rockers“ zu sagen hat.

Redaktion: Wenn du selbst an deine Band denkst, was fällt dir spontan dazu ein?

Also ich empfinde vor allem Freude das machen zu können, worauf ich Lust habe- und dabei mit unglaublich netten Leuten zusammen zu sein. Ebenso wichtig finde ich es, dass wir uns nicht auf einen Stil festlegen müssen, sondern unsere musikalische Spielfreude auf der Bühne und im Proberaum frei ausleben können! Rock ´n´Roll!

Redaktion: Aprops Live-Band: Auf Amazon.de werdet ihr zurecht „wahre Rampensäue“ genannt! Seht ihr euch selbst auch vor allem als Live-Band?
Ich denke, jede Band ist eine Liveband, wenn sie eine richtige Band ist. Das ist doch eigentlich der Grund, warum man das überhaupt macht. (Der Besitzer des Cafe Centrals, Michael, kommt in den Raum). Außerdem machen wir es, dass wir einmal im Jahr im Cafe Central spielen können. Aber das liegt hauptsächlich auch am Michael, der uns wirklich sexuell befriedigen kann.
Redaktion: Also gehe ich richtig in der Annahme, dass dann die Veröffentlichung neuer CDs für euch eher die Pflicht statt der Kür ist? Also ein Mittel zum Zweck?
Nö! Mittel zum Zweck wäre zu wenig. Eine Platte macht man schon, weil man viel mehr Leute als live ansprechen kann und auch will. Gut, ich gebe zu, dass drei Alben in zehn Jahren zwar wenig sind, aber das ist nun einmal nicht so einfach, wenn man in einer Band ist, die in den letzten Jahren Umbrüche in personeller Hinsicht hatte und in der alle voll im Berufsleben stehen.
Redaktion: Aber dennoch stelle ich mir die Frage, warum eine so imposante Live-Band wie Dr. Woggle and the Radio bisher nur Studio-Alben veröffentlichte. Habt ihr schon einmal mit dem Gedanken gespielt, einen Live-Tonträger zu veröffentlichen?
Absolut. Das ist auch so, dass wir das schon öfter geplant hatten. Es wurden auch schon professionelle, also mehrspurige, Aufnahmen gemacht, wie z.B. vor zwei Jahren im Cafe Central. Aber irgendwie waren bisher die Aufnahmen nie so, dass wir alle mit dem Ergebnis zu 100% zufrieden gewesen wären. Vielleicht waren wir da auch zu selbstkritisch. Aber ich persönlich bin von der Idee angetan, denke aber, dass man mehrere Konzerte auf einer Tour aufnehmen müsste, um daraus dann ein Live-Album machen zu können.
Redaktion: Auf der neuen CD „Rockers“ hört sich euer Sound merklich reifer an. Ist so eine Entwicklung für euch als Künstler wichtig oder eher nicht?
Doch, für uns ist es absolut wichtig, wenn wir so eine Entwicklung „nach vorne“ merken. Bei „Rockers“ wird das hauptsächlich im musikalischen Bereich deutlich, da dieses Album im Vergleich zu den beiden Vorgängern doch eher ruhiger und weniger Ska-lastiger sich anhört. Das ist aber auch eine Entwicklung, die sich jederzeit wieder umdrehen kann! So wie ich die Sache aktuell sehe, könnte ich mir gut vorstellen, dass das nächste Album wieder schneller wird.
Redaktion: Wie kam es eigentlich zu der Idee, für „Rockers“ mit namhaften Bands (z.B. The Busters oder Irie Revoltes) aus dem Rhein-Neckar-Kreis zusammen zu arbeiten?
Wir wollten bei „Rockers“ gerne Gäste dabei haben, aber diesmal nicht so wie bei der „Bigger Is Tough“, als uns Dr. Ring Ding unterstützte. Bei „Rockers“ haben wir bewusst auf die regionale Karte gesetzt und folglich mit Bands aus der Rhein-Neckar-Region zusammengearbeitet, mit denen wir schon seit Jahren befreundet sind. So auch mit den Leuten von Irie Revolte, die wir schon seit Jahren kennen und schätzen. Und zudem hat sich mit Irie Revolte die Zusammenarbeit auch angeboten, weil sie auf dem gleichen Label wie wir sind. Aber das wohl eher ein netter Zufall, genau wie die folgende Anekdote am Rande: Bei unserem allerersten Konzert vor zehn Jahren im E-Werk Neckargemünd war der Irie-Sänger Pablo dabei und seitdem haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt.
Des Weiteren haben namhafte Musiker wie Lolo (Ska Trek) oder Stefan Keller von den Busters bei der Produktion von „Rockers“ mitgewirkt.
Redaktion: Nach eurer Tour, den Festivals geht´s jetzt also zurück ins Studio?
Zurück ins Studio? Das hört sich jetzt hochtrabend nach Rockbusiness an. Wohl eher zurück in den Probenraum. Dort können wir dann von unseren geilen Live-Auftritten zehren und neue Songs schreiben.
Redaktion: Wenn bei eurem neuen Album wieder die Major-Labels vor der Tür stehen, werdet ihr sie dann wie bei „Rockers“ wieder zurückweisen?
Also, ein generelles Ablehnen von Major-Deals ist jedem zu empfehlen! An alle Musikant(innen): Man wird von der Industrie schlichtweg verblasen! Außerdem sind die Major-Verträge so aufgebaut, dass die Labels an allem verdienen: An Merchandise, an den Konzerten, etc. Doch das ist nicht alles, so beinhalten viele Verträge die Klausel, dass man als Künstler 50% von allen Kosten mittragen muss. Wenn also Promo, z.B. in Form einer Fernsehwerbung gemacht wird, musst du als Künstler 50% bezahlen, auch wenn du vielleicht keinen Bock darauf hast.
Man hört auch immer wieder von Bands, die mal was mit den Majors zu tun hatten, wie kritisch sie jetzt über die Sache denken.
Redaktion: Was hat euch bewogen zum kleinen Label Skycap zu wechseln?
Zum neuen Label sind wir ganz klassisch gekommen: Wir haben 2006 eine Vorproduktion von „Rockers“ im Cafe Central aufgenommen und an die Labels geschickt, u.a. eben auch an Skycap. Die hatten Interesse und haben den Vorteil, dass sie nur einen kleinen Katalog haben, aber durch rough trade auch einen wirklich guten Vertrieb, der einfach nötig ist.
Redaktion: War es für euch eine Herzenssache, auf einem Indie-Label veröffentlicht zu werden?
Na ja, ich dag mal in meiner jugendlichen Naivität, dass man zwischen drei Sorten von Indie-Labels unterscheiden muss: Es gibt zum einen die ultrakleinen Labels, die teilweise keinen Vertrieb und kaum finanzielle Mittel für Promo und Co. haben. Dann gibt´s noch die kleinen Labels wie Skycap, die viel machen, einen guten Vertrieb haben, denen dennoch nur begrenzte finanzielle Mittel für Promo etc. zur Verfügung stehen. Und letzten Endes gibt es noch die Major-Sublabels, die eben viel Kohle für Promotion, Videoproduktionen usw. haben. Solche Sachen wie Videoproduktionen, Merchandise usw. läuft immer noch eigentlich über uns. Das ist aber nicht das Schlechteste, weil man gerade beim Merchandising noch ein bisschen Kohle verdienen kann.
Redaktion: Wie wichtig ist für euch als Band eure finanzielle Unabhängigkeit?
Es ist eigentlich uns allen klar, dass sich die Band finanziell tragen muss und glücklicherweise auch trägt. Klar ist aber auch, dass man vor allem auf Tour geht, um spielen zu können und es daher gerade unter Woche oftmals nicht so viel Kohle gibt. Doch wir sind in der glücklichen Lage, dass wir sowohl in kleinen Clubs als auch auf Festivals spielen können, was unsere finanzielle Situation spürbar verbessert. Lediglich bei der Produktion von Alben sind wir darauf angewiesen, dass einige von uns Geld vorstrecken können.
Redaktion: Welche Pläne habt ihr in naher Zukunft noch, außer dass ich euch an neuen Songs ausprobieren wollt?
Ja, vor allem wollen wir wirklich Songs schreiben und unsere beiden Weihnachtskonzerte am 25.12./26.12. im Cafe Central erfogreich absolvieren. Mein Plan ist es auf jeden Fall, ein neues Album aufzunehmen. Dieser Plan muss natürlich mit dem der anderen Bandmitglieder harmonieren. Aber die meisten sagen eigentlich auch: Rock´n´Roll! Weiter! Vorwärts!

Interview: Sven Dehoust - 015.09.2008

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