Sven im Interview mit Stakeout
INTERVIEW - mit Stakeout

Interview mit Stakeout

 

Wie seid ihr auf den Bandnamen Stakeout gekommen, zumal es noch ca. 2-5 Bands gibt, die genauso heißen?

Thomas: Echt, gibt es wirklich? Glaub ich nicht! Eine infame Lüge. Wir sind einzigartig.
Daniel: Wir tragen den Namen ja immerhin schon 6 Jahre oder so. Wir waren also zumindest die ersten. Wir nehmen es mit allen auf. En garde.
Thomas: Drauf gekommen sind wir in einer Bar, bei einem Brainstorming. Weil wir noch keinen coolen Namen hatten, aber dringend einen für das erste Konzert brauchten. Irgendwann meinte einer „Was reimt sich denn bloß auf Fake-Braut?“ Und ich sagte „Stakeout“. Und die anderen so „Ja, du hast recht!“ und dann Daniel so: „Das muss unser Bandname werden. Das klingt kraftvoll und vital!“ Und so geschah es.
Hänka: Außerdem hatten wir ganz bewusst nach einem Bandnamen gesucht, den man möglichst leicht, an möglichst vielen Stellen falsch schreiben kann. So haben sich dann jetzt trotz der geringen Zahl von lediglich acht Buchstaben, mindestens doppelt so viele Falschschreibweisen auf Flyern, Plakaten und in Zeitschriften angesammelt.
Sören: Stakeout – Die am meisten falsch geschrieben Band der Republik.

Denkt ihr, dass eure Lieder durch eure Heimatstadt Berlin maßgeblich beeinflusst werden oder könnte man solche Songs auch in Dormagen und Co. authentisch produzieren?

Thomas: Klaro. Authentizität hat ja nüscht mit der Herkunft zu tun. Das sehen nur die HipHopper so eng. Ich glaube, dass Dormagen oder Hoyerswerde ebenso coolen Punkrock hervorbringen könnten. Der Schuss Genialität, der uns letztendlich so einzigartig macht, kommt ja auch aus unseren Gehirnen und nicht aus unserer Stadt.
Daniel: Ich empfinde unser Umfeld hier in Berlin schon als ein sehr kreatives. Ich könnte nicht sagen, welche Einflüsse wir genau aus der Großstadt ziehen, aber ich bin mir sicher, dass es sie gibt. Wer weiß, welche Themen uns in München beschäftigen würden.
Thomas: In Bayern müsste ja eigentlich der politische Punkrock am schärfsten sein bei der Landesregierung…

Ihr selbst bezeichnet euren Musikstil als „FunPunkPopAlternativenRock“. Habt ihr keine Lust, in eine Genre-Schublade gesteckt zu werden oder beugt ihr damit dem Vorwurf vor, dass man eure Musik ja gar nicht mehr als „Punk“ bezeichnen könne?

Daniel: Wir stellen einfach fest, dass man heutzutage in der Eigenpräsentation schlecht ohne Schubladen auskommt, deshalb haben wir uns eine eigene gebaut, die etwas geräumiger ist. Denn die Musikgeschmäcker innerhalb der Band sind sehr mannigfaltig – so entsteht auch ganz simpel erklärt unsere Genrevielfalt. Nur „Punk“ reicht gar nicht für uns.
Thomas: Wir sprengen quasi die klassischen Grenzen des Punk.
Hänka: Bei uns ist, musikalisch betrachtet, einfach alles an Bord außer Techno. Selbst einen Song mit Schlageranleihen haben wir schon geschrieben. Dieses Berliner Allerlei macht uns zwar angreifbarer für Musikjournalisten, aber wir können irgendwie nicht anders und später braucht man sich dann immerhin nicht mehr um einen seriösen Richtungswechsel bemühen – ist ja schon alles drin.
Sören: Außerdem fragt sich dann bestimmt der ein oder andere, was das wohl für Musik seien mag und kommt aus Interesse vielleicht aufs nächste Konzert um zu schauen, was diese komischen Vögel da für eine Show hinlegen.
Thomas: Im Gesamtgemisch, also Einstellung, Ansichten, Attitude stimmt das Punkverhältnis ja dann trotzdem wieder.

Ihr propagiert euer neues Album „Meet the cut the“ großspurig als das beste Rockalbum seit dem Fall der Mauer. Ist das nicht ein bisschen dick aufgetragen?

Thomas: Ja. Dick auftragen ist eines unser neuen Lieblingsmottos. Neben „Keine Säue nach Athen tragen“ und „Stripp, strapp, strull“.
Daniel: Nein. Wir haben uns diese schwere Last ja nicht ausgesucht, etwas so Großartiges erschaffen zu haben. Es ist einfach passiert.
Thomas: Und in Wirklichkeit haben wir uns diesen Slogan ja geborgt. Von einen Elektronikfachmarkt hier in Berlin, der tatsächlich eine Filialeröffnung mit eben diesen Worte angepriesen hat: Die größte Eröffnung seit der Wiedervereinigung oder so. Das fanden wir so absurd, dass wir das optimiert und für unsere neue Platte verwendet haben. Das ist so drüber, so unglaublich arrogant, dass wir das einfach bringen mussten.
Daniel: Der eine zieht kopfschüttelnd die Augenbrauen hoch, ein anderer muss dafür heftig schmunzeln.
Hänka: Wir selbst müssen meist schmunzeln.

Das schließt natürlich die nächste Frage an, ob Nirvana, Toten Hosen oder die Ärzte nicht vielleicht sogar bessere Rockalben als Stakeout herausbrachten? Oder sind die nackten Verkaufszahlen ihrer Alben sowie ausverkaufte Touren etc. für euch nicht aussagekräftig genug?

Thomas: Zahlen sind für uns wie Schall und Rauch. In unserem kleinen STAKEOUT Kosmos zählen andere Dinge. Integrität, Aussehen oder Klamotten z.B.
Sören: Wir ignorieren einfach die Realität.
Daniel: So wie alle anderen auch.

Viele eurer Liedtexte auf „Meet the cut the“ heben sich von denen anderer Punkrockbands deutlich ab. Welchen Schulabschluss habt ihr und welchen Schulabschluss müsste der Hörer idealerweise haben, um alle eure Texte bis ins letzte Detail verstehen zu können?

Thomas: Also, ich hab mich bis zum Abitur durchgemogelt. Aber das soll nichts heißen. Das schöne bei unserer Kleinkunst ist, dass die ja auf ganz vielen Ebenen funktioniert und irgendwie jeder Musikinteressierte Zugang finden kann. Wir sagen selber immer, wir machen Musik fürs Feuilleton und die Massen. Wir schleichen uns erstmal oberflächlich in die Herzen, Hirne und Tanzbeine unserer Mitmenschen, um dann auf den zweiten Hör auch die Hirnregionen zu stimulieren und intellektuell loszupoltern. Erst wenn der Hörer uns schon längst verfallen ist, merkt er, dass wir eigentlich auch ganz pfiffig sind und er sich dem jetzt nicht mehr entziehen kann.
Daniel: Ich würde das nicht am Schulabschluss festmachen. Schon die Bibel sagt „suchet und ihr werdet finden“. Wir verstecken gerne mehr oder weniger offenkundige Botschaften in unseren Songs für die Suchenden. Finden ist aber bei uns kein Muss, wir mögen auch die Spaßhabenwoller. Ich wurde übrigens von der Hauptschule weggecastet.
Sören: Sogar ich, der seinen Abschluss auf der Baumschule gemacht hab, verstehe über 25% der Texte!

Was veranlasst euch zu glauben, dass man mit Liedtexten wie „Mächtig angepisst sein ist schlecht für den Weltfrieden“ die gesellschaftlichen Verhältnisse verändern kann? Oder geht es euch in erster Linie eher darum, den Hörer in seiner ähnlichen Sichtweise zu bestätigen?

Thomas: Wir glauben nicht, dass man mit einem drei-minütigen Punkrock-Song die Welt bzw. die Gesellschaft verändern kann. Man kann immer nur einen Denkanstoß geben und hoffen, dass die Hörer das so ähnlich sehen bzw. sich mit einem Thema dann intensiver beschäftigen.
Uns ist auf jeden Fall wichtig, dass man wieder etwas mehr politische Themen in den Mainstream bringt. Das fehlt uns ein bisschen. Der gute Politpunk a la Dritte Wahl, Slime, WIZO oder ZSK findet ja leider zu sehr im Untergrund bzw. gar nicht mehr statt. Wir versuchen da jetzt, den schmalen Grat zwischen politischen Inhalt und Mainstream-Erfolg sicher entlang zu wandeln. Ein heikles Unterfangen. Aber wir wagen es.
Sören: Und wir verraten dabei auch nicht unsere satanistischen Wurzeln.

Beim politischen Song „Megaphon“ wirkt Gunnar von Dritte Wahl mit. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Daniel: Wir haben ihn einfach gefragt. So simpel kann das manchmal sein. Er war etwas überrascht und hat sich darüber gefreut. Schließlich sind ja Dritte Wahl auch große Freunde von Kollaborationen auf ihren Platten.
Thomas: Den Song fand er auch gut und schon stand er plötzlich neben uns im Studio. Mittags um 12. Wir alle mit nem Bier in der Hand, den Refrain reinbrüllend. Ein sehr cooles Erlebnis für uns.

Auf der anderen Seite befinden sich auf „Meet the cut the“ scheinbare Spaßsongs wie eure neue Single Heulesteffi, die jedoch auch wichtige Botschafen beinhalten. Obwohl mir das Lied sehr gut gefällt, verstört mich der letzte Part ein wenig, weil in ihm fast gleichzeitig Campino und Adolf Hitler als „Heulesteffis“ bezeichnet werden. Was bewog euch dazu?

Thomas: Die Definition einer Heulesteffi macht ja vor niemandem halt.
Hänka: Es ging lediglich darum, Personen aufzuzählen, die diese Definition erfüllen. Leute, die einen auf den Zeiger gehen, weil sie ständig über alles rummeckern und immer am sich Beklagen sind und das auch noch meist öffentlich.
Thomas: Das will doch keiner hören.
Daniel: Und Adolf Hitler war nun mal ein Vollarsch und einer der größten Jammerlappen aller Zeiten. Das muss man gar nicht mystifizieren. Ergo: Heulesteffi.
Thomas: Und Campino oder Xavier Naidoo oder Bushido eben auch.
Hänka: Außerdem wird mein Name im selben Atemzug mit Andi Möller genannt. Das grenzt doch schon fast an Blasphemie.

Für Heulesteffi habt ihr auch einen Videoclip gedreht, den man sich u.a. auf amazon.de anschauen kann. Gehe ich recht in der Annahme, dass ihr für diesen Clip relativ spontan ohne größere Konzeptvorlagen agieren konntet?

Thomas: Wir hatten ein Konzept. Und zwar so beschissen wie möglich auszusehen und große Rockstarposen zu imitieren und zu verballhornen. Wir sind gelangweilt von den immer gleichen Performance-Videos. Cool gestylte Band tritt im cool runtergekommen Club/Fabrikhalle/Wohnzimmer auf und guckt möglichst cool in die Kamera. 1000 Mal gesehen. Wir fühlten uns regelrecht verpflichtet das zu ändern.

Erfüllen die Verkaufszahlen eure hoch gesteckten Erwartungen?

Thomas: Nö. Kein Stück. Aber uns war klar, dass MEET THE CUT THE mehr so ein schleichendes Hit-Album wird. Es wissen leider noch nicht alle Menschen in Deutschland, dass es uns gibt. Das dauert. Aber wenn das soweit ist, wird die Platte wahrscheinlich 14 Jahre Dauergast in den Charts sein. So wie Pink Floyd damals mit „The Dark Side Of The Moon“.
Hänka: Wie war das noch mal mit dem kleinen STAKEOUT Kosmos? Da darf man auch noch träumen.

Welches sind eure nächsten Pläne? Die längste Tournee seit der großen Völkerwanderung? Das beste Outcomig seit Guido Westerwelle?

Thomas: Bescheiden wie wir sind, planen wir immer noch die Weltherrschaft zu erreichen, um dann erst mal alle Grenzen abzuschaffen und sämtliche Regierungsvertreter durch Frauen zu ersetzen.
Hänka: Dann nehmen wir selbstverständlich das zweitgrößte Rockalbum seit dem Fall der Mauer auf.
Daniel: Und dann sterben wir vielleicht den jämmerlichsten Tod seit Jesus Christus.

http://stakeout-sucks.de/
http://www.myspace.com/stakeoutsucks


Interview: Sven Dehoust - 25.09.2008