Madson - Halle 02 (19.04.2008)
KONZERTBERICHT

Madsen - Halle 02 (19.04.2008) 











Macht es dir eigentlich Spaß, die ganze Zeit hier nur so doof rumzustehen?" Oder: Mein Besuch des Madsen-Konzerts in der Heidelberger Halle02

Man muss lernen, die Ressourcen sinnvoll einzuteilen. Das gilt nicht nur für natürliche Rohstoffvorkommen, wie Kohle oder Erdöl, sondern insbesondere für die körpereigenen Ressourcen- zumal ich ja keine 14 Jahre mehr alt bin. Doch dazu später mehr.

Wir schrieben also den 19.04.2008 und morgens war zuerst einmal aufgrund des intensiven Freitags Katerstimmung angesagt und am Abend dann Madsen. Ein umgekehrt verlaufender Tagesplan wäre mir zwar gerade am Morgen nicht unlieb gewesen, aber das Leben ist manchmal eben kein Wunschkonzert.

Ich kam gegen 20.30 Uhr an der Halle 02 an, vor deren Toren sich schon etliche Dutzend Jugendliche mit berauschenden Getränken verlustierten. Ich hingegen blieb gegen jede alkoholische Verführung standhaft und bahnte mir den Weg zum Eingang.

Gegen 8.45 begann die Vorband Kreisky aus Wien vor etwa 500 bestens gelaunten Zuschauern zu spielen. Die Wiener Musikknaben erinnerten mich mit ihrem experimentellen Sound stark an einige Songs der Goldenen Zitronen und manchmal auch an die Musikstücke des Kokain schnupfenden Falco. Gab´s jemals einen anderen? Das Publikum hielt sich mit Jubelorgien vornehm zurück, der eine oder andere schien es aber wohl ganz nett zu finden und spendete brav Applaus. Mein Kopf hingegen fühlte sich so an, als ob in ihm gerade die Neujahrskonzerte der letzten 5 Jahre gespielt würden. Spätestens beim Kreisky Song "Fall nicht die Rolltreppe runter" merkte ich, dass die Wiener Melange aus perfekt gespielter Rockmusik und Wiener Dialekt nicht so ganz meinen Vorstellungen von guter Musik entsprach. Dies wurde wird durch das achtminütige Abschlusslied, das die Kleinstadt (Wien?) mit ihren zahlreichen Facetten preist, bestätigt.

In der Pause hatte ich dann die geniale Möglichkeit, das erste offizielle Interview mit den bisher geheim gehaltenen Mitgliedern von Madsen zu führen. Die drei Musikerinnen Laura, Wiebke und Mareike (alle um die 23 Jahre alt), die beim letzten Konzert von Madsen in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen, haben bereits beim neuen Album den Jungs unter die Arme gegriffen und den Muskstil der Band in meinen Augen positiv beeinflusst. Aber lest selbst

S.D.: Erzält mal, wie es die Jungs von Madsen verkraften, nach so langer Zeit nunmehr in einer sexuell heterogenen Band zu spielen?
Mareike: Super !

S.D.: Aha. Und wie seid ihr auf die Vorband Kreisky gestoßen?
Mareike: Das war mal wieder so eine Schnapsidee der Jungs. Ich fand die Band nicht so toll, v.a. das letzte Stück war total daneben. (Zustimmung von Laura und Wiebke)

S.D.: Ihr seid ja jetzt schon, wie ich gehört habe, auf einigen Konzerten im Hintergrund gewesen. Welches war dabei euer schönstes Erlebnis?
Laura: Das Konzert 2007 in Darmstadt war klasse. Die Leute waren super drauf

S.D.: Ich persönlich dachte da an eine spektakulärere Geschichte, aber gut, Heidelberg ist ja jetzt im Vergleich zu Hamburg oder Berlin auch nicht so spektakulär. Warum tritt Madsen ausgerechnet hier immer wieder auf- und nicht z.B. mal in Mannheim
Mareike: Weil Mannheim scheiße ist und wir viele Bekannte in Heidelberg haben.

S.D.: So, so. Da bin zwar anderer Meinung, aber ok. Noch mal zurück zur Stimmung innerhalb der Band. Gibt´s da wirklich keine Geschichten über Sex und Crime oder ist bei Madsen immer nur Sonnenschein angesagt?
Laura: Doch, wenn die Jungs, so wie heute, so lange brauchen, die Bühne zu betreten, dann sind wir schon sauer. Wie andere Fans eben auch.
Wiebke: Genau. Warum lassen die sich denn immer so lange bitten, die Arschlöcher?!

Ein gelungenes Schlusswort. Anscheinend hatte auch Madsen diese subtil vorgetragene Kritik vernommen und so betraten sie gegen 22.15 die Bühne.
Und was soll ich sagen? Die Band konnte die drei Mädchen und den Rest des Publikums mit ihrem tanzbaren Deutschrock mehr als nur begeistern. Der eine oder andere Punkriff befand sich auch noch im Sound, was dazu führte,dass diverse Kleidungsstücke vom Publikum auf die Bühne befördert wurden.
Ja, Madsen hatte wahrlich "Rhythmus im Sack" (Zitat eines befreundeten Sportlehrers) und das Publikum nahm diese Gabe freundlich auf und fungierte während der Show als tanz- und hüpffreudiges Klientel. Die meisten Songs wurden zudem noch von den geschätzten 800 Menschen fehlerfrei mitgesungen. Und spätestens bei "Nitro" durchzuckte selbst meinen noch geschwächten Körper ein kleines Zucken. Nein, Spaß beiseite, mir gefiel es wirklich, auch wenn manche Besucher in meinem direkten Umfeld diese stille Freude nicht begreifen konnten. Ein 13-jähriges Mädchen trat an mich heran und brüllte mir ihre wohl überlegte Frage(s. Überschrift) ins Ohr. So sind sie halt, diese jungen Dinger! Egal, denn bereits um 23.15 hatte mein "doofes Rumstehen" ein Ende und ich ging mit einem guten Gefühl nach Hause. Genauso wie vermutlich die 13-Jährige, die von ihrer Mutti bestimmt mit einem Madsen-Lied in den Schlaf gesungen wurde. Und so waren am Ende also alle glücklich.

Übrigens sollen sich meine Interviewpartnerinnen mal bei mir melden, denn ich hätte da noch einige Ideen, bei welchen Bands sie noch einsteigen könnten.


Fotos: Sven Dehoust, Bericht: Sven Dehoust om. 19.04.2008

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