Subway to Sally & End of Green im Capitol Hannover (07.10.2008)
KONZERTBERICHT

Subway to Sally & End of Green im Capitol Hannover (07.10.2008)

Es gibt wohl kaum eine Band im deutschsprachigen populären Metal-Bereich, die derzeit mehr von sich reden macht als Subway to Sally. Die Potsdamer Formation ist seit bald 15 Jahren musikalisch unterwegs und hat die Mittelalter-Musikszene seitdem kräftig umgewälzt. Auch wenn Eric Fish (auch als Solist erfolgreich) als Sänger der Band immer wieder in Interviews betont, dass StS keine Mittelalterband sind und sich nie ernsthaft als solche gesehen hätten, ist dies den Fans herzlich egal. "Julia und die Räuber" ist wahrscheinlich immer noch das am meisten gegrölte Lied vor Auftritten und ein Ende ist nicht in Sicht. Auch der Erste Platz im Bundesvision Song Contest in Hannover diesen Februar konnte daran nicht viel ändern. Nicht nur diesem war es jedoch wohl zu verdanken, dass selbst kurz vor Konzertbeginn die Schlange vor dem Capitol in Hannover noch weit um die Ecke reichte.
Dank eines Missverständnisses mit dem Veranstalter Living Concerts können wir euch leider keine eigenen Liveshots liefern, aber Norbert Pfeifer von musikmag.de stellt uns dankenswerterweise ein paar seiner Bilder zur Verfügung.

End of Green

Bei der letzten Tour waren es noch die Geschichtenerzähler von Coppelius (am 14.11. übrigens im Musikzentrum Hannover), diesmal haben sich die Mittelalter-Metaller von Subway to Sally die Formation End of Green mit ins Boot geholt. Die machen derzeit mit ihrem im August erschienen sechsten Album "The Sick's Sense" Furore. Ihre Musik bezeichnet die Band aus Stuttgarter Gefilden selbst als "Depressed Subcore" und man mag davon halten, was man will, sie versuchen mit aller Macht, diese Attitüde auf die Bühne mitzunehmen.

Ist man bisher noch nicht mit End of Green in Kontakt gekommen, mochte einen das Konzert zuerst an einen Abklatsch von Bands wie Type O' Negative erinnern (man denke an Lieder wie "My Girlfriend's Girlfriend), doch der weitere Verlauf des Abends stellte eins klar: Hier wird mehr geboten als die sprichwörtliche Linke in der eigenen Hose und die Rechte am Mikro oder der Gitarre. EOG legen ein sauberes, ausgewogenes Set vor, dessen sich Type O' Negative nicht hätten zu schämen brauchen.
Auffällig war neben der allgemeinen instrumentalen Qualität insbesondere die Stimme von Sänger Michael Huber alias "Michelle Darkness". Da brodelt was. Tief. Und er lässt es raus, ab und zu. Zwischendurch ergießt sich diese Energie auch schonmal in einem Schrei, der von hysterischem Kreischen nicht mehr weit entfernt ist.

Den einzigen Ton, den End of Green jedoch scheinbar nicht treffen, ist derjenige, der die Menge vor der Bühne in einen tobenden Mob verwandelt. Die Rolle der Vorband von Subway to Sally dürfte an dieser Stelle wohl auch nicht einfach zu füllen sein, nach dem Bundesvision Song Contest im Februar noch weniger als vorher. Dementsprechend war auch nach weniger als einer Stunde schon Schluss mit EOG, um dem Hauptact Platz zu machen. Keine Zugabe. Kaum Jemand verlangt eine.

In meinen Augen war der Auftritt nichts weniger als gelungen.

Interessantes Detail am Rande: Ab der zweiten Hälfte steckt sich der Sänger eine Kippe nach der Anderen an. Mitten auf der Bühne. Die Ordner schauen sich über die Menge an, zucken mit den Achseln. Keiner will ihn drauf hinweisen, dass in Niedersachsen Rauchverbot für solche Örtlichkeiten gilt. Irgendeinen Vorteil muss das doch haben mit dem Rockstar-Dasein ...

Subway to Sally

20:53 End of Green hat fertig, Umbauarbeit in Eile auf der Bühne. Das Capitol wird langsam richtig voll, alle warten auf Subway to Sally, eine Band die legendär für ihre Liveauftritte ist, große Erwartungen regen sich da, und die Frage, ob sie erfüllt werden.

Seit Beginn der Umbauphase kommt es zu sporadischen "Blut Blut, Räuber saufen Blut..."-Gesängen (aus "Julia und die Räuber") bis hin zu einem über Minuten andauernden, vereintem Schlachtgesang.

Endlich erscheint das Septett und beginnt mit dem Intro-Song ihres aktuellen Albums "Bastard".
Die Pyroshow scheint die halbe Bühne in Flammen aufgehen zu lassen. Muss auch, sonst wäre der Feuerwehrmann wohl umsonst angereist.
Die schon merkliche Temperatur wird bei weitere Hitzewellen weiter aufgebaut, auch wenn die Fans noch etwas unterkühlt sind (für Subway Verhältnisse, wohlgemerkt)
Ab "Unsterblich", dem ersten älteren Lied, geht die Menge merklich besser mit.
Bereits jetzt merkt man eine gewisse Fremde in der Musik, es klingt alles tontechnisch etwas anders als gewohnt oder auch erwartet. Das Capitol ist nicht das einfachste Terrain für eine ordentliche Akustik, doch die Pfeife am Mischpult versaut den typisch klaren Subway-Klang völlig.
Ein Ärgernis welches noch den gesamten Abend über stören soll.
Die Unterkühlung sollte jedoch spätestens mit "Knochenschiff" ein Ende gefunden haben, die gesamte Menge ist am hüpfen und mitsingen, Subway-Atmosphäre kommt auf.
Bald schon fliegen die Mäntel zu Boden, denn die Luft brennt!
Um den Fans mal eine Verschnaufpause zu geben, wird "Erdbeermund" akustisch angestimmt.
In Zeiten des Rauchverbotes sieht man eine traurige Anzahl Feuerzeuge, dafür eine Menge Mini-Bildschirme von allerlei Elektronik-Geräten...

Nach einer kleinen Pause kündigen die Trommeln von der Bühne den gleichnamigen Song an, um anschliessend mit "Unterm Galgen" endgültig das Capitol in einen Hexenkessel zu verwandeln. Ab da unterscheiden sich die Songs nur darin, ob das Springen oder Schreien des Publikums überhand nimmt. Die letzten beiden Songs werden ohne jede Erschöpfungserscheinung der Anwesenden gerockt; genug Kraft also, um nach "Sieben" und "Sag dem Teufel guten Tag" mehrere Minuten lang Zugaberufe zu brüllen.
Um es kurz zu machen: Es werden 5 Zugaben unter Feuer, es riecht nach Schwefel und Rauch vernebelt die Sicht; so muss es sein: Ein klasse Konzert!

Für den Moment pausiert die Tour, aber im Dezember geht es weiter.
Die restlichen Konzerte von Subway to Sally für dieses Jahr (vom offiziellen Tourkalender):
18.12.2008 Halle 400, Kiel
19.12.2008 Kulturhaus, Salzwedel
20.12.2008 Hessenhalle 4, Gießen
21.12.2008 Nachthallen, Kassel
26.12.2008 Pier 2, Bremen
27.12.2008 Ruhrkongresszentrum, Bochum
28.12.2008 Alter Schlachthof, Dresden
29.12.2008 Pressenwerk, Bad Salzungen
30.12.2008 Lindenpark, Potsdam


Fotos: Norbert Pfeifer, Bericht: Ronald Becher und Martin Kubsda 07.10.2008

track4 - Rezension zu Subway to Sally - Nord Nord Ost

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