Sven im Interview mit THE BUSTERS
INTERVIEW - mit THE BUSTERS

Sven im Interview mit THE BUSTERS

„Ska ist die Mutter des Reggae und nicht umgekehrt.“
Interview mit Rob Solomon und Richie Tabor von “The Busters”

Jeder, der sich für Ska interessiert, wird an Deutschlands dienstältester Ska-Band "The Busters" nicht vorbeikommen. Im sehr entspannt geführten Interview mit dem Sänger Richie Tabor und dem Posaunisten Rob Solomon wurde so manche bisher unbekannte Anekdote aus der über 20-jährigen Bandgeschichte zum besten gegeben.


1. An das Jahr 1987 kann ich mich persönlich ganz gut erinnern, tauschte ich doch den lieb gewonnenen Platz auf dem Spielplatz gegen den in der Schule ein. Auch andere hatten in diesem Jahr wenig zu lachen. So wurde der damalige Kanzler Helmut Kohl von der ARD der Lächerlichkeit preisgegeben, da man seine Neujahrsrede „versehentlich“ unterschlug und stattdessen die des Vorjahres ausstrahlte. Welche persönlichen Erinnerungen verbindet ihr mit diesem Jahr?
Rob: An die Geschichte mit Helmut Kohl kann ich mich auch noch erinnern. Da hatte wohl die ARD die Bänder vertauscht. Ein Riesenskandal, obwohl damals die Massenmedien noch nicht ihre heutige Bedeutung hatten. Selbst das Kabelfernsehen steckte ja noch in den Kinderschuhen. Des Weiteren kann mich noch daran erinnern, dass wir mit unserem Klasse im Schullandheim im geteilten Berlin waren. Ich war damals auf dem Wirtschaftsgymnasium in Wiesloch, aber eigentlich wollte ich immer Musiker werden.
Von den „Busters“, die in diesem Jahr gegründet wurden, habe ich erst ein Jahr später erfahren, als das erste deutsche Ska-Festival in der Wieslocher Stadthalle stattfand.
Richie: 1987 kam ich in die 5. Klasse des Gymnasiums. Zusätzlich habe ich mir für die Fußball-Saison 1987/88 das Panini-Sammelheft gekauft. Das war grün und ich hatte beinahe alle Spieler, bis auf Herbert Waas von Bayer 04 Leverkusen. Das hat mich wahnsinnig gemacht. Und der Knaller war, dass auf den letzten Seiten des Heftes die Weltmeister von 1986 als Karikaturen dargestellt wurden. Sensationell.
2. Ebenfalls 1987 entspannte sich die Konfrontation zwischen den U.S.A. und der Sowjetunion. Reagan richtete eine Neujahrsansprache, die sogar gesendet wurde, explizit an alle Sowjetbürger. War das die Steilvorlage eures Hits „Mickey Mouse in Moscow“?
Rob: Genau so war das. Unser damaliger Gitarrist Isi Fiesie Keller war zu dem Zeitpunkt einige Wochen in Moskau und schrieb von seinen Erlebnissen einige Songs, u.a. eben auch den „Mickey Mouse in Moscow“. Immer noch brandaktuell.
3. 1988 erschien euer erstes Album „Ruder than Rude“ beim Bremer Weserlabel. Bei diesem Label waren zur damaligen Zeit Funpunkbands wie „Die Goldenen Zitronen“, „Mimmis“ und „Abstürzende Brieftauben“ unter Vertrag. Wie kam es zu diesem eher außergewöhnlichen Deal?
Rob: So außergewöhnlich war das nicht. Es war so, dass es international bereits sehr erfolgreiche Ska-Bands wie die Bad Manners gab. „The Busters“ war dann die erste deutsche Band, die den Ska hierzulande bekannter machte. Natürlich war man dann auch auf der Suche nach einer Plattenfirma und so schickten die Jungs ihre Demo-Songs auf Kassette zumeist an independent-Label. Der Manager der Busters, Thomas Scholz, besuchte die meisten Inhaber dieser kleineren Plattenfirmen sogar persönlich. So auch Fabsi vom Bremer Weser-Label, der das Potenzial der Ska-Musik früh erkannte und uns dann einen Vertrag gab.
4. Inwiefern habt auch noch heute zu Weserlabel bzw. zu den Bands von damals Kontakt, zumal gerade die Brieftauben in der Mitte der 90er Jahre von eurem zarten Gebläse auf den Alben „Krieg und Spiele“ und „Wer hat an der Uhr gedreht“ profitieren konnten?
Rob: Den „Brieftauben-Micro“ habe zuletzt auf der „20-Jahre-Weser-Label-Party“ gesehen. Da haben wir kurz gequatscht, aber ansonsten haben wir keinen Kontakt mehr. Das war damals eine ganz lustige Geschichte, als wir beim Album „Krieg und Spiele“ mitwirkten: Wir sind also mit unseren vier Bläsern losgefahren, um die Tauben bei „Du da“ und „Fett und hässlich“ musikalisch zu unterstützen. Ein geniales Studio und im Keller war ein Koch, der uns rund um die Uhr verköstigte. Ein bisschen Aufnahme, dann eine Mahlzeit, wieder eine Aufnahme, wieder eine Mahlzeit usw. Für uns ein absoluter Luxus. Bei Busters Aufnahmen musste immer alles schnell gehen und das Essen haben wir von zuhause selbst mitgebracht. Über den deutschsprachigen Funpunk der Tauben kann man sich sicherlich streiten, aber zu denen hat es prima gepasst. Schade, dass Konrad K. vor einigen Jahren verstarb, aber daran war er wohl selbst nicht ganz unschuldig. Wir haben ihn immer wieder im Laufe der Jahre vor allem auf unseren Konzerten in Hannover gesehen und dachten dabei nicht selten: `Was macht der Kerl mit sich?´ Der hat eben den Punk zu 100% gelebt und wollte sein Leben so leben.
5. Erfolgreich ging es weiter, denn bereits 1989 folgte die Knaller-Cover-Single schlechthin: „Don´t worry, be happy“. Gefiel euch das Original so gut oder wurde euch von Seiten des Weserlabels geraten, dieses beliebte Lied als Auskopplung zu veröffentlichen?
Rob: Das war Fabsis Idee. Der meinte, dass die Band das Lied schneller und im bandeigenen Stil covern sollte und die Single ist eigentlich auch gut angekommen. „The Busters“ waren damit sogar in den englischen independent-Charts. Und auf einmal hieß es, die Band wäre berühmt. Das war in dem Jahr, als ich zur Band stieß, allerdings kam ich von der Klassik und von Berühmtheit hatte ich bis zu dem Zeitpunkt noch nichts gehört.
6. Der Erfolg der Single sowie des Albums „Couch Potatoes“ und seiner Nachfolger ließ sich an ihren Verkaufszahlen messen und machte sich ebenso an den ausverkauften Tourneen (u.a. mit Laurel Aitken, The Toasters und den Bad Manners) hierzulande als auch im Ausland bemerkbar. War daher der Wechsel 1996 vom Weserlabel zum Major-Label Sony nur ein konsequenter Schritt?
Rob: Gut, dazwischen lagen eben sieben Jahre, in denen eine Menge passiert ist. Wir spielten u.a. auf dem Jazz-Festival in Montreux, was uns sehr stolz gemacht hat. Noch besser war, dass wir sogar im Hauptprogramm spielen durften. Dabei wurde ein Live-Mitschnitt angefertigt, der als Live-Album 1995 auf dem Weser-Label veröffentlicht wurde. Und dass wir dann zu Sony kamen, war wohl wieder einer dieser Zufälle. Wir spielten einen kleinen Club-Gig in Frankfurt, als ein Typ unseren Schlagzeuger Stefan Breuer fragte, was da los sei. Es stellte sich im Verlauf des Gespräches heraus, dass er von Sony war und wir gaben ihm diesen Live-Konzertmitschnitt von uns auf Videokassette mit. Der hatte dann Interesse, wusste aber natürlich, dass wir noch bei Fabsi unter Vertrag standen. Da wurde, wie das so ist, ein bisschen geschachert und kurz danach wechselten wir problemlos zum Major Sony.
7. Welche Gründe veranlassten euch, bereits nach dem Album „Boost Best“ den Major Sony wieder zu verlassen?
Rob: Wir hatten eigentlich eine sehr gute Betreuung, aber das Ganze war auf Deutschland zentriert. Das war auf der einen Seite in Ordnung, denn es folgten zahlreiche Auftritte in den Sendungen („Live aus der Alabamahalle“ usw.) der Dritten Programme, die ohne Sony so nie möglich gewesen wären. Auf der anderen Seite hatten wir durch den Auftritt in Montreux immer noch den Anspruch, auch international bekannter werden zu wollen. Dazu kam, dass wir trotz des guten Vertrages mit Sony immer noch viele Arbeiten selbst übernehmen mussten, was aber nicht unüblich ist. Und so macht man seine Erfahrungen, die uns schließlich 2004 dazu bewogen, ein eigenes Label zu gründen.
8. 1996 der Bruch mit Sony, 1998 der Wiederaufstieg mit den Ärzten („Ein Schwein names Männer“)?!
Rob: Kann man so sagen. Wir dachten schon, dass nach dem Bruch mit Sony karrieretechnisch nicht mehr viel läuft. Wir wurden dann mal wieder durch einen Zufall 1998 eingeladen die Ärzte auf ihrer Sommer Festival Tour zu begleiten. Wir fragten sie, ob sie nicht Lust hätten, dass die Bläser von den Busters sie bei einem ihrer Songs Live musikalisch unterstützen sollten. Ihnen gefiel die Idee und so kam es dann das wir bei „ Ein Mann Namens Schwein“ für diesen Sommer die Bläser gemacht haben. Wir verstanden uns auf Anhieb mit den Ärzten und alles was heute mit dem Farin Urlaub Racing Team läuft, hat seinen Ursprung aus der Zeit.
9. Mit Farin Urlaub habt ihr bereits vor seinem FURT-Projekt zusammengearbeitet. Änderte sich durch euren ersten kommerziell erfolgreichen Song „Liebe macht blind“ (2000) und die daraus resultierende Medienpräsens auf MTV und VIVA eure Art als Künstler zu arbeiten?
Rob: Das war schon komisch. Da war er also, unser erster Song, der auf MTV und Co. gesendet wurde. Und Sony probierte jahrelang, dass unsere Songs im Radio und im TV ausgestrahlt wurden. Es passierte nicht ein einziges Mal, weil Ska anscheinend als zu wenig massenkompatibel angesehen wurde. Diese These wurde hier widerlegt und ist sowieso totaler Quatsch, weil mittlerweile selbst Künstler, die sich niemals Ska-Musiker bezeichnen würden, erfolgreich Ska-Songs veröffentlichen. Einfach mal in die neue CD von Amy Winehouse reinhören, auf der sie einige bekannte Ska-Songs covert.
10. Folgten wieder Angebote größerer Label?
Richie: Wir waren zu der Zeit auf dem größten independent-Label SPV und alle anderen Angebote waren nach unseren Vorerfahrungen uninteressant.
11. 2004 folgte mit dem Album „Revolution Rock“ der Weg zurück zu den Wurzeln eurer Musik. Und das auf eurem eigenen Label. Eine logische Konsequenz eurer Bandgeschichte?
Richie: Nur so können wir genau das machen, worauf wir Lust haben. Das fängt schon damit an, dass wir durch unser eigenes Label auch einfach mal Songs ohne vorherige Erlaubnis auf unsere Homepage zum kostenlosen Download stellen können. Und dann wollten wir eigentlich noch andere Ska-Bands dadurch fördern. Aber aufgrund unserer zahlreichen eigenen Songideen für „The Busters“, haben wir bislang nur das Album der „Ringo Ska“ veröffentlicht. Und vermutlich werden auch nicht viel mehr dazu kommen.
12. Wie bereits erwähnt, findet der Busters-Fan auf eurer HP immer wieder zahlreiche eurer Stücke von Live-Konzerten zum kostenlosen Download. Schlägt sich dieses Engagement in den Verkaufszahlen eurer Alben negativ nieder?
Richie: Nein, eigentlich nicht. Es sind auch zumeist Live-Aufnahmen, die angeboten werden. Es gibt aufgrund der aktuellen medialen Entwicklung natürlich einen Rückgang der CD-Verkaufszahlen, aber dafür laden sich andere Fans auf legalem Weg unsere Alben herunter. Auf unseren Konzerten haben die Zuschauer zudem die Möglichkeit, danach einen Live-Mitschnitt auf einem USB-Stick käuflich zu erwerben. Das läuft ganz gut, was ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Ich persönlich finde es ganz angenehm, noch ein Cover in den Händen zu halten.

Rob: Die Leute wollen eben genau den Mitschnitt, bei dem sie live dabei waren, nicht den Mitschnitt vom vorherigen Konzert. So ist die Entwicklung und wir reagieren mit unseren USB-Sticks darauf, obwohl wir leider nicht ganz so viel Aufwand betreiben können wie andere deutsche Bands, die sowas anbieten. Das Konzert ist auf dem Stick noch nicht geschnitten.

13. Noch eine Frage zum lieben Geld: Euer aktuelles Album „Double Penetration“, bestehend aus einer plugged CD und einer unplugged DVD, wurde 2007 zum Midprice veröffentlicht. Könnt ihr so eure Unkosten überhaupt decken?
Richie: Es ist schon ein Haufen Geld, das wir im Vorfeld vorstrecken müssen, wenn wir eine CD produzieren wollen. Und natürlich eine Menge an Arbeit, die wir auf unserem eigenen Label natürlich auch selbst übernehmen müssen. Ich glaube, dass viele Menschen, die sich unsere Songs auf illegalem Weg beschaffen, das gar nicht so bewusst ist.
Rob: Ob und wie viel wir mit der Double Penetration schon „plus“ gemacht haben, kann ich dir jetzt spontan gar nicht so genau sagen. Die Verkaufsmaschinerie läuft erst jetzt, eineinhalb Jahre nach Veröffentlichung der CD, richtig an. Wir können das ganz gut an den Verkaufszahlen in unserem Shop auf der Busters-HP (www.thebusters.com) beobachten.
14. Wie beurteilt ihr selbst, knapp zwei Jahre nach der Veröffentlichung, die CD?
Rob+Richie: Wir selbst sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden, wobei es natürlich wie bei jedem anderen Album auch kritische Stimmen gibt. Die einen finden es geil, die anderen scheiße. Geschmack ist eben etwas Subjektives. Und wir entwickeln uns als Künstler weiter und dementsprechend entwickelt sich auch unser Sound weiter. Einige, die unsere alten Alben gut fanden, können jetzt nichts mehr mit uns anfangen, aber auch das ist ok und gehört einfach dazu. Andere Leute sind hingegen wegen des Albums erst auf unsere Musik gestoßen.
15. Weisheiten am Ende:
Rob: Ska ist die Mutter des Reggae und nicht umgekehrt.
Richie: Genau.

Interview: Sven Dehoust - 13.02.2009

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