INTERVIEW - mit The Offenders

Sven im Interview mit The Offenders

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The Offenders


Ist Euer neues Album „X“ eine Rückkehr zu Eurer ursprünglichen musikalischen Heimat?
Hallo zusammen !  Vielmals sorry, aber ich hab nicht so ganz verstanden, was du mit "musikalischer Heimat" meinst. Wenn du dich auf unsere Anfänge beziehst, dann lautet die Antwort definitiv "nein", wir spielen heutzutage keinen Standard "2Tone-Ska" mehr, schon seit 2007. Unser Stil ist mittlerweile voll mit anderen Einflüssen, wir behalten zwar die Offbeat-Basics der Ska-Musik weiterhin da drin, aber wir mixen heutzutage viel mehr - nicht nur mit Punk sondern auch mit Powerpop, mit Mod Revival und Northern Soul. Ich denke, das ist genau die richtige Beschreibung unseres Sounds.
The Offenders
Welchen Einfluss hatten bei der Entstehung „alte“ Künstler des Ska-Genres?
Ich wünschte wir könnten aus dieser "Ska-Schublade" endlich ausscheren. Wir klingen so ja garnicht mehr, seit mittlerweile 4 Alben. Na klar, am Anfang als ich 20 Jahre alt war , da war ich noch schwer beeinflusst von Derrick Morgan und Alton Ellis, aber jetzt bin ich 32, und obwohl ich diese alten Legenden auch heute noch sehr mag, glaub ich nicht, dass du viele von diesen Einflüssen in meiner Art von Songs und Texten finden kannst, auch nicht in dem Beat, den wir heutzutage spielen. 
Mal generell gefragt, würde mich interessieren, ob Eure Musik für Euch auch eine Art Heimat bietet oder wie Ihr den Begriff für Euch selbst verwendet.
Meine Musik als eine Art "Heimat"?  Nein, warum?  Naja, ich habe drei verschiedene "Zuhauses" oder "Heimaten": einmal da, wo ich geboren wurde, dann den Ort, wo ich seit fast 8 Jahren wohne und arbeite und mein drittes "Zuhause" sind all die Bühnen, auf denen ich gestanden habe, während meiner ganzen Laufbahn. Manchmal seh ich das wirklich als mein zuhause an und sei versichert, einige der Clubs in den wir oft aufgetreten sind, wurden das auch wirklich, wortwörtlich, nach all den vielen Jahren.  
 
Wie bewertet Ihr die gegenwärtige Situation, wonach der Heimatbegriff vermehrt in unserer Gesellschaft eine Rolle zu spielen scheint?
Wann immer jemand den Begriff "Heimat" im Sinne von Grenzen, Ländern, Fahnen, Nationen, Armeen und solche Sachen verwendet. dann ist das überhaupt nicht meine Sache. Ich bin weder "stolz" auf eine Fahne noch ich bin meinem Geburtsland unterwürfig oder sowas wie ein "Untertan" wie damals in der Zeit des Faschismus. Zuallererst bin ich eine Person. Ein Mensch. Ich kann wohlmöglich eine gute oder schlechte Person sein und erst nachdem das geklärt ist, mag jemand auch mal vielleicht meinen Pass checken und sagen woher ich kommen. Wenn Menschen anfangen sich ausgerechnet über den Begriff "Heimat" zu artikulieren, dann bedeutet das doch eigentlich bloss, dass sie überhaupt nichts Eigenes zu sagen haben.  
The Offenders
Mit welchen der Songs aus „X“verbindet Ihr besondere emotionale Erlebnisse?
Eigentlich alle seit sie geschrieben wurden. Und sie sprechen alle auf die eine oder andere Art und Weise über etwas, das ich durchgemacht habe, über etwas, was mir direkt selber widerfahren ist oder etwas über das ich unbedingt mal erzählen wollte, wie zum Beispiel "St.Pauli Swing Jugend", bei dem ich die Geschichte der fast vergessenen Swing-Kids Subkultur während der Nazi-Zeit erzähle, eine verfolgte Crew, die "Neger-Music" gehört hat , wie die deutsche Regierung das damals nannte bzw. diffamierte. Oder „Alles Muss Raus“ bei dem ich von einer Wasted Party-Nacht in Berlin erzähle, wie ich sie selber erlebt habe, oder „1000 vergessen“ - das Lied erzählt über die vergesssenen Minderheiten, Subkulturen und generell alle Arten von an den Rand gedrängten Menschen, die allgemein als "Abschaum" angesehen werden, nur weil sie nichts produzieren und selber verdienen... gelabelt als "Nutzlose".  Ich frage mich, ob Börsenmakler, korrupte Politiker und ähnliche Leute irgendwie besser sind als der sogenannte "Abschaum"?
Bei der ersten Single-Auskopplung / Video „Alles muss raus“ animiert Ihr einen als Priester verkleideten Mann, sich hemmungslos zu betrinken. Wie viel Überzeugungsarbeit war dafür notwendig?
Haha, es war wirklich einfach ihn zu überreden, er liebt ja solche Anlässe.  Natürlich ist er kein echter Priester, wenn wir die Chance gehabt hätten, einen echten Priester zu haben und ihn dann so richtig wasted auf eine Party zu kriegen, das wäre noch lustiger gewesen. Das wäre wirklich ein ernsthaftes Thema gewesen, vielleicht sogar ein richtiger Skandal!  Aber wir haben's nicht hingekriegt, leider, wir haben einfach nicht die richtigen Connections. 
Ihr scheint seit Jahren eine Dauertournee quer durch die Welt zu machen und nebenbei noch alle ein bis zwei Jahre ein Album zu produzieren. Für die Fans ist das durchaus positiv, ich kann mir vorstellen, dass ein solches Leben aber auch seine Schattenseiten hat. Welche sind das bei Euch? Was vermisst Ihr?
In erster Linie vermisse ich eigentlich, das wir nicht genug spielen. Ich wünsche mir noch mehr Shows. Wir könnten noch viel mehr und besser touren... aber irgendwie ist das im Moment alles. Ich glaube man kann die richtige Balance finden, um alles beides zu machen, sich um seine Familie kümmern, genug Zeit für deine Freundin und so weiter und trotzdem auf Tour sein. Ich denke, solange die Entscheidung für ein solches Leben mit etwas Herz und Leidenschaft getroffen wurde, kann eigentlich nichts falsch daran sein. Du wirst niemanden verletzen, solange du dich um ihn genug kümmerst und gleichzeitig aber auch nichts von dem auf Halde legen müssen, wofür du eigentlich lebst, genau das ist es im Wesentlichen, wofür wir als Band stehen.
The Offenders

Interview: Sven Dehoust - 23.12.2015

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