Eher beiläufig
stiessen wir während unserer Recherchen im Web auf eine kleine Sensation.
Eine der kraftvollsten Bands aller Zeiten, der Inbegriff und die Definition
von Groove, ganz in unserer Nähe. Das Konzert war am 19. Dezember
in der "Bluesgarage" einem Liveclub der 500er Grösse in
ISERNHAGEN bei Hannover. Toll - werden jetzt viele sagen. Die einen, weil
sie von überall her angereist sind, wie an den illustren Nummernschildern
zu sehen war, um diese U.S.-Kultband bei einem von nur einer handvoll
Gigs in Deutschland zu sehen, die anderen, weil sie zum Erschrecken der
Musikwelt noch nichts von dieser Band aus Chicago gehört haben. Vielleicht
liegt es am Alter.
Mothers Finest wurde von Sängerin Joyce und Sänger Glenn 1975
auf dem Zenith des letzten Wassermann Zeitalters gegründet, jene
Zeit, die jetzt wiederkehrt und versucht wird zu adaptieren; weil dort
eben die Wurzeln des Funk, des Rock und auch der Discomusik (dem Vorläufer
vom heutigen "House") liegen. Und diese Musiker, man glaubt
es kaum, haben diese Stile mitbegründet und geprägt. Hier bewegt
man sich auf dem Nährboden für Drum`n`Base und Hiphop. Hits
waren vor allem "Baby Love", ein echter Klassiker, oder "Love
Changes". Nach einer langen Discographie wurde es in den letzten
Jahren wieder etwas ruhiger um diese Formation, private Dinge und einige
Soloprojekte hatten Vorrang. Doch damit scheint jetzt Schluss zu sein...
Joyce Kennedy (MF) in Isernhagen
Der Club platzte auf
zwei Etagen fast aus den Nähten als sie um 22h die
Bühne betraten. Power und Leidenschaft vom ersten Ton
an. Und "Power" war auch der Schlachtruf des Publikums,
denn den wollten sie hören und bekamen ihn auch genauso
in die Ohren gehämmert! Jeder Song ein Treffer. "Like
a Negro" vom "Black Radio won't play this Record"
Album, Anfang der Neunziger ein Meilenstein des Rock, blieb
genauso unvermeidlich wie "Strawberry Fields"
von den Beatles, einer äusserst gelungenen und Soul
beladenen Coverversion. Viel gibt es natürlich nicht
mehr über die Band Mothers
Finest zu sagen ohne sich zu wiederholen.
Sie sind die Urgesteine des Funkrock. "Rock is where
we come from - Funk is what we are" wie Sängerin
Joyce gerne sagt. Vor allem aber handelt es sich um eine
hervorragende Liveband, eine der besten die es überhaupt
gibt. Wizzard, seines Zeichens Bassist der Band dürfte
der Inbegriff des Instrumental Hero sein und über die
Grenzen bekannt als Meister des Daumens und vielsaitiger
Bässe.
Meta Funk 'n' Physical
heisst die neue Scheibe und ist bei Edel erschienen. An
dieser Stelle soll nun keine CD Kritik stehen, wir empfehlen
aber allen, sich diesen Silberling unter den Christbaum
zu legen und ihn ganz oben auf die Liste zu setzen. Prädikat:
Hörenswert! Wer auf die Idee kommt Mothers Finest
bei Kaaza und Konsorten zu finden greift ins Lehre. Diese
Band ist auf der Bühne zu Hause, selbst Jahre nach
dem legendären 2. ROCKPALAST schmilzt Joyce über
die Seele mit Songs wie "Cry Baby". Wer die
Gelegenheit findet sollte sich ein Konzert unter gar keinen
Umständen entgehen lassen und sich zum Pflichtbesuch
kasteien. Funk it!
Jetzt kann man natürlich fragen, warum
eine Band wie MF (die mit dem Supermann Logo) so "kleine"
Gigs spielt. Die Blues
Garage ist eigentlich nicht der Ort wo man
solche Acts zu sehen bekommt. Oder Doch? Unfassbar - bereits
zum vierten Mal wurde dort aufgespielt. Die Bühne
gerade gross genug um die sieben Musiker mit Backline
zu fassen und trotzdem ein sog. Pflichtbesuch im Tourkalender.
Das liegt nicht zuletzt am Flair und der Atmosphäre
dieses Familienbetriebs, Frau und Tochter des Betreibers
HENRY GELLRICH fassen hinter Tresen und Kasse mit an,
der Chef shuttled namenhafte Musiker noch selbst. Dafür
nehmen sie ihn in den Arm. Und nicht zuletzt wegen des
erheblichen Risikos, denn die Gagen von Bands wie demnächst
Marillion, WIshbone Ash, oder Mitch Ryder sind auch so
gesehen für einen Veranstalter dieser Grösse
ein echtes Highlight. Genauso wie für das Publikum,
denn die Preise liegen bei 20 Euro.
Glenn Murdock (MF) in Isernhagen
Wizzard (MF) in Isernhagen
So ist track4.de denn auch mit Henry ins
Gespräch gekommen. Als Self-made-Man 1980 aus der
DDR emigriert hatte er bei Hannover Concerts (die machen
Stones und solche Sachen) als Stagehand angefangen und
nebenbei die eine oder andere lokale Band gemixt. Jetzt
über 20 Jahre später rennen ihm die Bands die
Türen ein, denn der Laden ist als gute Adresse bekannt.
Das wollten wir genauer wissen:
"Ich würde auch gerne lokale
Bands einmal ins Vorprogramm setzen, die träumen
ja davon bei solchen Konzerten als Special Guest aufzutreten,
aber das muss schon passen. Natürlich müssen
die der Hammer sein und vor allem musikalisch dem Haupt-Act
den Ball zu werfen. Das ist eine gefährliche Sache
und das können auch nicht viele. Coverbands gehen
da schon mal gar nicht, sowas nur bandstand an freien
Wochenenden. Dazu kommt noch, das hier der Laden immer
voll ist und Du keine zweite Backline durch die Leute
bekommst. Was auch schade ist, denn die dürfen natürlich
nicht auf der Backline vom Headliner mucken, ein extra
Pult ist dann auch angesagt. Deshalb ist es mir natürlich
am liebsten, wenn die ihren eigenen Support mitbringen,
was aber selten passiert, dann können die sich besser
arrangieren. Wenn Du nur Platz für eine Backline
hast, bekommst Du wieder den Nerv beim Soundcheck vor
den ganzen Leuten. Das ist halt so eine Sache..."
Und so sehen dabei die Belange für den Veranstalter
aus. Hinter den Kulissen ist vor den Kulissen! Die Bluesgarage
hat übrigens sehr strenge Bedingungen was das Senden von
Demos und Layouts angeht. Das sieht man aber am besten einmal
selber auf der Homepage (Hyperlink im Text).