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Haggard - Tales of Ithiria
"Der unverwechselbare Sound", das ist ein viel geträumter und fast genauso selten erreichter Musikertraum. Unverwechselbarer Sound, das heißt, in ein unbekanntes Album, ein noch nie gehörtes Lied reinzuschnuppern und sofort zu wissen "Das kenn ich". Eine der wenigen dieser Perlen ist das deutsche "Klassik-Mittelalter-Metal-Orcheser" Haggard um Asis Nasseri. Mit starken Wurzeln in der Death-Metal-Szene schafften sie bereits mit ihrem ersten Album "And Thou Shalt Trust ... The Seer" den (internationalen) Durchbruch. Obwohl in Südamerika und auch im asiatischen Raum bekannter als Hierzulande, sind sie schon lange kein Niemand mehr.
Mit ihren bisherigen Konzeptalben vertonte Mastermind Nasseri die Geschichten und Geschichte, die Sagen und Erzählungen um historische Personen wie Nostradamus und Galileo Galilei, mit ihrem neuestem Album "Tales of Ithiria" traut er sich in eine Fantasiewelt und damit Neuland. Das zentrale Thema ist diesmal der ewig währende und nie ermüdende Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Schatten, den ewig ineinander verschränkten Gegenspielern. Nicht genug, dass der eine ohne den Anderen per se nicht existieren kann, gestaltet sich doch auch die Unterscheidung in der Regel nicht so einfach. Ein wahrhaft episches Thema, aber ungefähr genauso oft auch ausgeschlachtet. Nun sind Haggard auch nicht irgendwelche Wald-und-Wiesen-Dichter und haben offensichtlich die letzten 4 Jahre seit "Eppur Si Muovo" mit Konzeption und Umsetzung verbracht, also sehen wir uns doch an, wie die Klassik-Metaller das Ganze angehen:
Haggard-Typisch beginnen wir mit einer gesprochenen Einleitung, "The Origin" (zu deutsch "Der Anfang""). Als Erzähler tritt diesmal Mike Terrana auf, der auch hinter dem Schlagzeug seinen Platz hat. Der Zuhörer wird durch die sonore, angenehme Stimme in eine Geschichte 1700 Jahre alten Unrechts eingesogen. Im folgenden ersten Kapitel "Tales of Ithiria" begegnen wir dem oben erwähnten Moment spätestens, wenn Asis die Gesangsparts mit seinen Grunts untermauert. Der Gesang ist wieder mehrsprachig, englisch, deutsch, teilweise auch spanisch. "From Deep Within" führt uns nun in das persönliche Schicksal des Protagonisten ein, der gerade entdeckt hat, dass sein Vater ermordet wurde. Die Reise in den kommenden Liedern führt uns vom väterlichen Feld "In des Königs Hallen" und schließlich nach "La Terra Santa", also das "gelobte Land". "Vor dem Sturme" reiten wir vorbei an einer Armee, in der die Soldaten (nach Soldaten-Art) nicht wissen, ob sie auch wieder in einem Stück zurückkehren werden ... Stimmig eingemischt überrascht die iberische Ballade "Hijo de la Luna" ("Kind des Mondes") an dieser Stelle, wenn auch alles andere als unangenehm. Nach der epischen Schlacht bricht ein ebenso epischer Regen über das Schlachtfeld herein. Am nöchsten Tag sieht es so aus, als wäre "alles Blut von den Göttern abgewaschen worden". Das letzte Kapitel "Das verborgene Zeichen" beendet die Saga um Ithiria (fürs Erste).
Haggard ist mit diesem Album wieder einmal etwas Außergewöhnliches gelungen, eine CD, die einen wahrhaftig entführt, sofern man nicht kurz vorher den CD-Spieler ausmacht, um die letzte Bahn noch zu kriegen ;-)
Man könnte jetzt traurig sein, dass die Geschichte zu Ende erzählt ist, aber direkt im Anschluss an das Erscheinen der Scheibe am 29. August bei Drakkar Records tourt die Band (weiter) durch Zentral-Europa, Ost-Europa und im Dezember schließlich Latein-Amerika. Wer es nicht erwarten kann, kann sich das Album jetzt schon vorbestellen, für gerade einmal zwei Euronen mehr auch in der Limited Edition mit Fansticker. |