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Im Verlauf der letzten 10 Jahre hat sich Reckless Kelly zu einer der führenden Bands des Americana / Texas / Country Rock-Genres entwickelt. Schon zu Beginn galt die 1997 von den Brüdern Willy und Cody Braun gegründete Band als Geheimtipp. Der Durchbruch gelang 2003 mit dem Album „Under The Table And Above The Sun“, mit dem sie sich in die Herzen der Musik-Journalisten und der texanischen Musik-Legende Joe Ely spielten. Dieser wurde zu einem großen Anhänger der Band und rührte kräftig die Reklametrommel. 2008 veröffentlichte die Band ihr bisher erfolgreichstes Werk „Bulletproof“, das stark rocklastig ist und durch seine Redneck-Einstellung stark polarisierte.
Mit dem neuen Album „Somewhere In Time“ kehren die Musiker von Reckless Kelly zu ihren Country-Wurzeln zurück und zeigen ihren Zuhörer die musikalische Welt von Pinto Bennett. Ich muss zugeben, dass mir dieser Sänger/Songwriter bisher nicht besonders aufgefallen ist. Aber da bin ich nicht der einzige. Pinto Bennett ist ein zu Unrecht wenig beachteter Outlaw-Country-Songwriter, der mit seiner Band Famous Motel Cowboys unzählige Musiker im Nordwesten der U.S.A. beeinflusste und einen regionalen Kultstatus erreichte. Besonders die Texte seiner Songs weichen oft von den üblichen Schemata ab und laden zum Nachdenken ein.
Für das richtige Country-Feeling sorgen Cody Braun, der mit seiner Fiddle und Mandoline die Musik dominiert. Unterstützung kommt von Gastmusikern wie Lloyd Maines (pedal steel), den Gitarristen Mark "Sergio" Webb und Rob Matson sowie Fiddler Teddy Ray Jones (Famous Motel Cowboys), dem Harmonica-Ass Mickey Raphael (Willie Nelson Band) und von Bukka Allen (Terry Allens Sohn) mit Orgel und Akkordion. Auch Pinto Bennett ließ es sich nehmen, auf dem Album zu singen. Weitere Duettsänger sind Joe Ely und ein gewisser Micky Braun. Dieser Micky ist ein jüngerer Bruder von Willy und Cody Braun, der gemeinsam mit dem weiteren Bruder Gary die Band Micky & The Motorcars leitet.
Die herausragendsten Titel sind „The Ballad of Elano de Leone“, die traurige Geschichte des kleinen Elanito, der schöne Country-Shuffle „Everything I Could Do Wrong“, „I Hold The Bottle, You Hold The Wheel“ mit seinem trockenen Humor, „Thelma“ über vergänglichen Star-Ruhm und für mich das absolute Highlight „You Cared Enough To Lie“ über eine verflossene Liebe.
In den Liner-Notes schreiben Reckless Kelly, dass die Arbeit an der CD sie daran erinnerte, wie cool „true country music“ sein kann. Ich würde die Musik auf „Somewhere In Time“ zwar nicht als wahre Country-Musik bezeichnen - man merkt, dass die Jungs am liebsten losrocken möchten. Aber gerade dieses Spannungsverhältnis macht den Reiz der CD aus. Daher könnte dieses Album für Reckless Kelly so wegweisend werden wie „Honky Tonk Heroes“ für die Karriere von Waylon Jennings.
Eine CD, die anders ist als die übliche Musik aus Nashville, und am besten mit einem Zitat von Joe Ely beschrieben werden kann: „feet firmly in the present, but with an amazing knowledge of where it has all come from.“ |