Terrorgruppe: Inzest im Familiengrab
Von Sven Dehoust

Cover der CD "Inzest im Familiengrab"; der Band "Terrorgruppe"

Bewertung:

Band: Terrorgruppe
Titel: Inzest im Familiengrab
Genre: Punk

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Label: Destiny Records
Verlag: Broken Silence
VÖ: 29.08.2014


Solange Menschen sprechen können, versuchen sie sich ihre Welt zu erklären. Andere Menschen, die meinen neben dem Sprechen auch noch das Denken zu beherrschen, versuchen nicht nur ihre Welt, sondern die Welt als Ganzes zu erklären. Das klappt mal ganz gut und ihre weitsichtigen Gedanken finden auch noch lange nach ihrem Ableben Befürworter. Manchmal endet das Ganze aber auch ganz profan in der nächsten psychatrischen Heilanstalt. Das hängt manchmal mit dem Zeitgeist der Epochen, in denen sie ihre Gedanken kundtun, zusammen.

Die Terrorgruppe ist möglicherweise so etwas wie ein Bindeglied zwischen beiden Phänomenen. Irgendwo zwischen Arte und RTL2, immer bedacht den Finger in die offenen Wunden unserer oftmals oberflächlich anmutenden Gesellschaft zu legen, ohne dabei zu moralisieren und allzu steif zu klingen. Diese Stärke wird auch auf der neuen Single "Inzest im Familiengrab" sichtbar. Wo andere seitenlange Pamphlete verfassen, langen den Berlinern durchschnittlich 12-16 Zeilen pro Song. Das reicht, um mehr oder weniger ernstgemeinte Stellung gegen essgestörte und verhaltensauffällige Teenager, den gesamtdeutschen Wohlfühlmodus 2014, zu recht unterschätzte Politiker und geltungssüchtige Altpunks zu beziehen. Musikalisch kann die Terrorgruppe dabei ihr hymnisches Punkrock- Repertoire durch den Einsatz einer Orgel ausbauen und weiß selbst beim Country-Song "Kotzende Teenager" kurzweilig zu unterhalten.

Mal wieder ein Generationen übergreifenender Tritt in den Hintern, der auch den eigenen nicht verschont und zudem wieder den hohen Anspruch erhebt, zu 10% politisch korrekt zu sein und vor allem zu unterhalten. Beides gelingt recht ordentlich, denn die vier Songs hören sich verspielt und leichtgängig an und sind nach jahrelanger Schaffenspause vor allem ein musikalisch hörbares Indiz dafür, dass die Band nicht nur ihre alten Songs kopiert und sich selbst beweihräuchert. 


Tracks

01. Inzest im Familiengrab
02. Na endlich
03. Bulimie-Bettina
04. Kotzende Teenager

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