Fixmer/McCarthy: Into the Night
Von Ronald

Cover der CD "Into the Night"; der Band "Fixmer/McCarthy"

Bewertung:

Band: Fixmer/McCarthy
Titel: Into the Night
Genre: Techno/Electro

Fixmer/McCarthy - Into the Night Bei Amazon kaufen Fixmer/McCarthy - Into the Night Bei Amazon kaufen
Fixmer/McCarthy - Into the Night Bei Musicload kaufen Fixmer/McCarthy - Into the Night Bei Musicload kaufen

Label: SPV
Verlag: keine Angabe
VÖ: 23.05.2008


Fixmer/McCarthy steht, der Name legt es nahe, für eine Zusammenarbeit zweier einschlägig bekannter Musiker, namentlich Terence Fixmer und Douglas McCarthy. Beide haben sich schon einen eigenen Namen gemacht, der französisch-stämmige Fixmer in der Electro- und Trance-Szene insbesondere mit Remixes, aber auch als Dj von Weltrang z.B. im berühmt-berüchtigten U60311 in Frankfurt/Main. Douglas McCarthy hingegen hat sich schon vor langer Zeit als Sänger der legendären Formation "Nitzer Ebb" allgemeine Beachtung erarbeitet. Die "Ebbheads" trennten sich jedoch 1995 und bis zum WGT 2006 war es längere Zeit erstmal still um die Band. McCarthy verdiente sich seine Brötchen fortan in der Werbebranche, bis er 2002 mit Terence Fixmer zusammentraf.
Die Zwei lagen ofensichtlich auf einer Wellenlänge und so dauerte es nicht lange, bis die erste, viel beachtete Kollaboration zustande kam, und zwar in Form des Albums "Between the Devil...". Die darauf folgenden Tourneen machten deutlich: Fixmer/McCarthy hatten einen Nerv getroffen. Genau auf den wollen sie scheinbar wieder einstechen, denn Ende Mai bringen sie den Nachfolger auf den internationalen Markt. Die Show steigt
übrigens in Stockholm, Schweden am 24.05.

Doch wie ist sie denn nun, die neue Scheibe? Auf dem Debütalbum haben sich die beiden ja noch sehr deutlich am Nitzer Ebb-Stil bedient.
Vorweg kann man schonmal sagen: Das hat sich durchaus verschoben. "Into the Night" ist in der Hinsicht viel risikofreudiger, mitunter sogar melodisch, aber nie langweilig.
Nach einem wenig aussagekräftigem Intro beginnen wir mit "Like Voodoo", insgesamt ein sehr eingängiger Song, der aber nicht "einfach" hörbar ist. Ausschlag gibt hier die rauhe, leicht agressive Stimme von Douglas McCarthy.
Nach so einem intensiven Song braucht es ein bisschen Entspannung und "Banging down your door" bietet diese auch. Man rutscht vom Stil her fast Richtung Trip Hop ab, was ja an sich noch nichts schlechtes ist. In diesem Fall darf man es wohl als Zeichen für die Experimentierfreudigkeit der Beiden sehen.
Der Song "Love the Night" ist von der Atmosphäre her ein Mix der beiden vorherigen Lieder mit runden, rhythmischen Beats, eingängigen Melodien, allerdings wieder unterlegt mit der kratzigen Stimme McCarthy's. "Look to Me" würde man spontan eher zu Minimal einordnen, allerdings interferiert wieder McCarthy, dessen Stimme sich an einzelnen Stellen schon fast überschlägt. Die gut ausbalancierte Kombination lässt weder Ohr noch Beine zur Ruhe kommen. In den aggressiveren Phasen des Songs geht die Synthie-Untermalung beinahe schon in Minimal Noise unter. Die Bandbreite des Songs ist erstaunlich, was es auch zu einem meiner Favoriten macht.

Nach dem emotionalen Stress der vorherigen Lieder wieder Eines, welches einem erlaubt, mit den Gedanken abzuschweifen. Der melancholische Grundtenor bei "And then finally" im Kontrast mit den Trance-Synthies lässt einen nicht sonderlich weit dabei, aber dissonant wird es an keiner Stelle. Kann man schon fast zum Ausruhen hören ...
Lange geht das aber nicht so. Die nächsten beiden Lieder "Blood and Music" und "Pistol Whipper" lassen dem geneigten Zuhörer wieder eher wenig Atem, man kommt kaum zur Ruhe. Wieder einmal fällt auf, wie sehr sich die beiden Musiker mit ihrem Handwerkszeug hier ergänzen.

Aus dem Schema heraus fällt zum Beispiel "Tonight I sleep". Fast eine Ballade, auf jeden Fall weniger eindringlich und mit sehr sanften, tragenden Sequencer-Klängen. Mit den Balladen ist es schon beim nächsten Stück, "Hate me", wieder vorbei. Mit Zeilen wie "I want to be your cross / Your cross to bear" und "I want you to hate me" zieht Douglas McCarthy wieder die ganze aggressive Bandbreite auf, entsprechend unterstützt von Terence Fixmer. "I want to be your soap / Soap in your wounds" spricht, denke ich, für sich selbst ...

Auch die letzten beiden vollen Titel, "Trans European" und "Make War" sind merkenswert. Ersterer geht schon fast Richtung Downbeat, die Vocals spielen eindeutig eine untergeordnete Rolle. Letzterer lässt es vom Titel her schon ahnen, es wird wieder martialisch, zumindest von der Atmosphäre her. Die Texte klingen dagegen doch eher harmlos. Der Refrain "Don't touch that stereo" bleibt einem im Ohr hängen. Obwohl, wer weiß, was ansonsten passiert Wink
Als Letztes haben die Beiden noch die Originalversion von von "Tonight I sleep" mit reingepackt und "schon" haben wir ein vollwertiges Album.

Fazit: Fixmer/McCarthy offenbaren hier ein ziemlich breites Band an musikalischen Stimmungen und Emotionen, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen möchten. Das Duo führt den Gegenbeweis recht überzeugend und verwischt einmal mehr die Grenze zwischen technoider Clubszene und alternativ-schwarzer Szene, ein Spagghat, der nicht Jedem gelingt. Dem einen oder anderen Lied wird man auch sicherlich auf den einschlägigen Parties wieder begegnen. Ich kann das Album eigentlich nur empfehlen.

Tracks

1. Into The Night
2. Like Voodoo
3. Banging down your door
4. Love the Night
5. Look to Me
6. And then finally
7. Blood and Music
8. Pistol Whipper
9. A great and distant Silence
10. Tonight I sleep
11. Hate me
12. Trans European
13. Make War
14. Tonight I sleep (Original Version)


Das könnte Dich auch interessieren...

Cover der CD "Fuckit"; der Band "Wumpscut"

Wumpscut - Fuckit

Wumpscut
Fuckit


Die letzten Alben von Wumpscut waren ja nun nicht so der Reißer, doch das neue Album Fuckit ist da echt anders. Es macht einen sehr guten Eindruck und überzeugt sehr schnell. Die... [mehr]

Cover der CD "Seeds"; der Band "Universal Poplab"

Universal Poplab - Seeds

Die Elektro-Schweden werden ja immer wieder mit Depeche Mode verglichen und so ganz falsch ist das nicht. Auf ihrer neuen Scheibe Seeds zeugte bereits der Singlevorbote im Februar mit "Fame & Hate" von diesen Qualitäten. Im Mai... [mehr]

Cover der CD "1023"; der Band "Rotersand"

Rotersand - 1023

Der dritte Longplayer des Trios zielt geradeaus auf alle Wave Apostel der Neuzeit. Nach "Truth is Fanatic" (2003) und "Welcome to Goodbye" (2005) kommt "tentwentythree 1023" gerade zum rechten... [mehr]
: 19.04.2008
Feedback