Konzert Epica & Amberian Dawn (Musikzentrum Hannover - 26.10.2008)
KONZERTBERICHT

Konzert Epica & Amberian Dawn (Musikzentrum Hannover - 26.10.2008)

Es gibt so Bands, denen begegnet man nur in Musikzeitschriften oder bestenfalls mal auf einem Festival. Die "sagenumwobenen" Club-Konzerte vor 200 Metalheads, bei denen sich danach alle intim genug kennen, um gleich zusammen weiterzuziehen, die gibt es auch. Aber so selten, dass man eigentlich kaum dran glaubt. Man kann nun in der Metal-Szene eher nicht von einem Abschwung schreiben oder gar sprechen, und vielleicht liegt es auch an Hannover als Rock-but-not-really-Metal-City, dass einem hier selten Konzerte dieser Couleur in die Hände fallen. Fakt ist jedenfalls, dass es Bands gibt, denen man auch nach Jahren intensiven Konzertgehens (oder eher -moshens) kaum oder gar nicht über den Weg läuft. Epica gehört für mich in diese Kategorie. Seit Erscheinen des ersten Albums 2003 bin ich den Niederländern verfallen, die Gelegenheit zu einem richtigen Konzert hatte sich aber nie ergeben. Umso größer fiel meine Vorfreude aus, als ich auf dem Konzertkalender des Hannoveraner Veranstalters Living Concerts Selbige entdeckte. Und so hieß es dann an einem der ersten kühlen Tage wieder: Nächster Halt: Musikzentrum, Hannover.

Amberian Dawn

Da mir bis noch vor Kurzem unbekannt, hatte ich mir rechtzeitig vor dem Konzert das Debüt-Album der Jungs und Mädels von Amberian Dawn angeschafft. Aufgrund des dort Gehörten habe ich mich wirklich auf die Vorband gefreut, wurde aber leider ziemlich enttäuscht. Aber eins nach dem Anderen:
Die Finnen aus dem schön kalten Helsinki (und eigentlich auch "Hyvinkää" und "Espoo") orientieren sich musikalisch sehr stark nach ihren großen Brüdern und Schwestern von Nightwish, was ja erstmal vollkommen legitim ist. Auch historisch gibt es da ein paar Parallelen: Aufgegangen vor allem aus den Bands "Anthem One" und "Iconofear" haben alle Bandmitglieder eine eher konservativ-klassische musikalische Grundausbildung genossen. Über die üblichen diversen Umwege haben sie zur wahren Musik und 2006 dann auch einander gefunden. Es folgte -nach einer Neuformierung- die Produktion eines Demos und bald des ersten Albums, welches in Finland seit Ende Januar, in Mitteleuropa seit Juni erhältlich ist.

So sehr ich die aktuelle Platte "River of Tuoni" mag und auch empfehlen kann, hat die Band es nicht geschafft, diese Atmosphäre in den Club zu tragen: Eine leidenschaftslose Show und fast geschäftsmäßige Atmosphäre. Man hatte als Besucher während eines Großteils des Konzertes nicht das Gefühl, dass die Band auf der Bühne dieselbe ist, die das Album aufgenommen hat. Als würden sie nur das Repertoire einer anderen Band abspielen und halbherzig zum Mitmachen animieren.

Später werden sie ihren Kollegen von Epica erzählen, da draußen stünde an diesem Abend ein sehr ruhiges Publikum, aber das trifft irgendwie nur die halbe Wahrheit ...

Ich habe nach dem Konzert den Keyboarder Tom Sagar noch ein wenig zum kommenden Album ausgefragt, und der Sound soll insgesamt komplexer werden, wohl orchestraler und überhaupt einfach besser. Ein Titel ist noch nicht gefunden. Die Band ist noch jung, auch Nightwish haben mal ganz klein angefangen, es besteht also noch Anlass zur Hoffnung. Ungenutztes Potential gibt es jedenfalls noch Einiges.

Epica

Schon wenig später betraten auch die lang erwarteten Metalheads aus den Niederlanden die Bühne. Und schon schnell zeigte sich deutlich, dass eigentlich alle nur deswegen angereist waren. Und, dass es sich gelohnt hat. Ein wummerndes Schlagzeug, röhrende Gitarren und ein nicht minder röhrender Gitarrist. Und natürlich Simone Simmons. Die wahrscheinlich hübscheste haareschüttelnde Rothaarige diesseits des Acheron erfüllte eigentlich alle Erwartungen und das durchweg positiv. Die Musik war auch großartig. Keine Spur von Bühnenmüdigkeit auch nach inzwischen 6 Jahren Epica.

Die klaren Gesangslinien von Simone wurden, wie man das von den bisherigen Alben kannte und liebte, passend von Mark Jansens Grunts unterstützt und konterkariert.

Fünf von insgesamt zwölf Songs waren vom aktuellen Album "Divine Conspiracy", was inzwischen auch schon wieder ein Jahr auf dem Buckel hat (im Sommer 2008 ist noch einmal eine Single erschienen). Das ist eine recht angenehme Mischung bei 4 Studioalben. Persönlich gefreut hatte ich mich auch über die insgesamt vier Lieder des ersten Albums "The Phantom Agony". Die anderen beiden Alben hatten noch Platz in einem eigenen Song und mit "Solitary Ground" Einem, der auf beiden Scheiben drauf war.

Das Set war damit insgesamt sehr ausgewogen, da neben den "klassischen" Epica-Songs mit Grunts auch Balladen wie "Chasing the Dragon" enthalten waren. Der Band hat man angemerkt, dass sie ihre Musik auch selbst spielt, authentisch vermitteln kann und nicht auf dem Weg eingeschlafen ist.

Nach etwas mehr als einer Stunde war das Konzert dann auch leider schon wieder vorbei, und man machte sich beglückt auf den Heimweg. In meinen Augen war es definitiv ein Highlight der letzten Monate im Konzertleben in und um Hannover.


Fotos: Ronald Becher, Bericht: Ronald Becher vom 26.10.2008

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